Politik : „Das wird keiner mehr los“ Künast wünscht sich weniger dicke Kinder

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Berlin Das Problem ist gewichtig. Deshalb ist es Ernährungsministerin Renate Künast (Grüne) am Donnerstag auch eine Regierungserklärung im Bundestag wert. Die Deutschen werden immer dicker und in der Folge auch kränker. Jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche leide heute schon an Übergewicht, sagt die Ministerin. Die Krankenkassen müssen etwa ein Drittel ihrer Ausgaben für die Behandlung ernährungsbedingter Krankheiten aufwenden. „Das Thema wird keiner mehr los“, sagt Künast.

Das Thema treibt die Ministerin schon länger um. Ihre Kampagne gegen das Übergewicht begann mit Beratungsangeboten für Kindergärten und Schulen. Seit dem vergangenen Jahr gibt es auch Angebote für Senioreneinrichtungen. Im Gegensatz zu den Jungen, die zu viel und das falsche essen, sind immer mehr Alte unterernährt. Jetzt soll das alles zu einer „neuen Ernährungsbewegung“ werden, hofft Künast.

Die Ministerin wünscht sich „eine breite gesellschaftliche Bewegung zur Änderung der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten“. Das gehe aber nicht nur jeden Einzelnen an. Künast hat auch Forderungen an die Ernährungsindustrie. Dass sich die Industrie „nicht mehr nur mit nachhaltigem Geldverdienen, sondern mit dem Thema nachhaltige Wertschöpfung“ beschäftigt, freut sie. Aber: „Die Industrie trägt Mitverantwortung für die Vermeidung gesellschaftlicher Folgekosten“, sagte sie dem Tagesspiegel. Mit der Zusammensetzung der Produkte und den Packungsgrößen trage die Industrie zu den Problemen bei.

„Übergewicht kostet die Krankenkassen jährlich rund 70 Milliarden Euro. Da kann sich die Industrie nicht auf die Position zurückziehen, man könnte ja weniger essen oder mehr Sport treiben“, sagte sie. Künast will die Industrie jedenfalls nicht von ihrer gesellschaftlichen Verantwortung freisprechen. „Da wird immer argumentiert: Wenn der Verbraucher das will, produzieren wir das auch. Aber das ist unehrlich. Denn wer ein Produkt auf den Markt bringt und entsprechend bewirbt, schafft sich in Teilen auch seinen Markt dazu.“ Dagmar Dehmer

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