Politik : Daten auf neuen Pässen nicht sicher

Steffen Kraft

Berlin - Der biometrische Reisepass (E-Pass) ist offenbar weniger sicher als bisher vom Bundesinnenministerium behauptet. Zwei Hildesheimer Computerexperten, Lukas Grunwald und Christian Böttger, haben die Daten eines Passes mit einem elektronischen Lesegerät aus der Innentasche eines Sakkos ausgelesen – ohne ihn zu berühren. „Jeder Datendieb kann das nachmachen“, sagte einer der Experten.

Das Bundesinnenministerium bestreitet, dass ein unberechtigtes Auslesen des Speicherchips möglich ist, den die Behörden seit November 2005 in neu ausgegebene Pässe einkleben. Eine Sprecherin des Ministeriums sagte: „Bevor ich einen E-Pass auslesen kann, muss ich ihn erst einmal aufklappen.“ Um einen Chip erfolgreich scannen zu können, benötige man einen Code, der sich aus Passnummer, Geburtsdatum des Inhabers und dem Ablaufdatum des Passes errechne. Diese Daten sind nach Angaben von Lukas Grunwald und Christian Böttger allerdings auch in zahlreichen Datenbanken gespeichert, die über das Internet zugänglich sind.

Die FDP-Bundestagsabgeordnete Gisela Piltz sagte dem Tagesspiegel: „Beim E-Pass sind wir alle nun die Versuchskaninchen von Otto Schilys persönlicher Leidenschaft.“ Otto Schily (SPD) hatte als Bundesinnenminister die Einführung des E-Passes gefördert und sitzt seit seinem Abtritt als Minister im Aufsichtsrat zweier Firmen, die sich mit Biometrietechnologie beschäftigen. Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Abgeordneten Piltz hat Schily mit einer der beiden Firmen im Amt Gespräche zu den „Anwendungsmöglichkeiten biometrischer Verfahren“ geführt. Schily wollte sich nicht äußern.

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