Daten der Bundesregierung : Jeder zweite Beschäftigte muss mit Armutsrente rechnen

Mehr als der Hälfte der Beschäftigten droht, im Alter nur eine Rente unterhalb des Grundsicherungsniveau zu bekommen. Das geht aus Daten der Regierung hervor.

Wird die gesetzliche Rente im Alter reichen? Das fragen sich viele.
Wird die gesetzliche Rente im Alter reichen? Das fragen sich viele.Foto: dpa

Jeder zweite Beschäftigte in Deutschland muss im Alter mit einer gesetzlichen Rente unter dem Grundsicherungsniveau rechnen. Das geht aus einer aktuellen Datenübersicht der Bundesregierung und des Statistischen Bundesamtes hervor, aus der die "Saarbrücker Zeitung" zitiert. Demnach ist derzeit ein monatliches Bruttogehalt von 2.330 Euro nötig, um im Laufe eines durchschnittlich langen Arbeitslebens von 38 Jahren eine Rente in Höhe der staatlichen Grundsicherung im Alter zu erzielen.

Jedoch verdienten 19,5 Millionen der rund 37 Millionen Beschäftigten, die in der aktuellen Verdienststrukturerhebnung des Statistikamts erfasst sind, weniger, berichtete das Blatt. Damit bekämen 52 Prozent der Beschäftigten im Alter eine Rente unter dem durchschnittlichen Grundsicherungsbedarf von 795 Euro.

Die Daten hatte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann, angefordert. Sie verlangte, die gesetzliche Rente so zu stärken, dass niemand Armut im Alter fürchten müsse.

Der Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes, Georg Cremer, warnte davor, die sozialen Verhältnisse in Deutschland schlecht zu reden und so Populisten zu stärken. "Das oft beschworene Bild von der wegbrechenden Mitte entspricht nicht den Fakten", sagte Cremer der "Welt". Die Schere zwischen Arm und Reich sei seit zehn Jahren nicht weiter auseinandergegangen.

Die Armutsstatistik erfasse zudem auch viele Auszubildende und Studenten als Einkommensarme, die "zwar momentan wenig Geld, aber nicht wirklich ein Problem" hätten, fügte der Caritas-Chef hinzu. "Die Verunsicherung der Mitte ist ein Nährboden für populistische Parteien", sagte Cremer und übte scharfe Kritik an "Untergangsrhetorik oder gar Sozialpopulismus". Dies verfestige den Eindruck, die Politik kümmere sich überhaupt nicht mehr um die Probleme der Bürger. Tatsächlich sei Deutschland aber ein stabiles, relativ gut regiertes Land. (AFP)

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