Datenschutz : Ermittlungen gegen Lotto-Team

Nach der Häufung von Fällen illegal gehandelter Kundendaten diskutieren Politiker über die Verschärfung strafrechtlicher Konsequenzen. Zehn bis 20 Millionen Kontodaten sollen in Umlauf sein, fürchten Verbraucherschützer. Gegen das Glücksspielunternehmen Lotto-Team wird bereits wegen Betrugsverdachts ermittelt.

Berlin/KölnIm Skandal um illegal gehandelte Kundendaten wird gegen das Glücksspielunternehmen Lotto-Team wegen Betrugsverdachts ermittelt. Die Staatsanwaltschaft Köln bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Über Verbraucherzentralen gingen gegen Lotto-Team zahlreiche Beschwerden ein, unter anderem wegen der Abbuchung von Geldbeträgen ohne Einwilligung der Kontoinhaber. Das Unternehmen hatte bestritten, dass Abbuchungen in betrügerischer Absicht vorgenommen wurden und selbst gegen mehrere Call Center Anzeige erstattet.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, die Ermittlungen seien vergangene Woche aufgenommen worden. Auch die Call Center seien im Visier. Zu Details machte er keine Angaben. Die Call Center werben im Auftrag von Lotto-Team telefonisch Kunden, verkaufen ihnen Lottoverträge und leiten Kontonummern an das Kölner Unternehmen weiter, das dann das Geld einzieht.

Adressen der gesamten bundesdeutschen Bevölkerung im Umlauf

Das Unternehmen hatte angekündigt, dass betrogene Kunden ihr Geld zurückerhalten sollen. Nach der Häufung von Fällen illegal gehandelter Kunden- und Kontodaten warnen Datenschützer vor allem vor einem Missbrauch seitens zahlreicher Call Center für dubiose Geschäftspraktiken. Wegen versuchten Betrugs und Verstoßes gegen das Datenschutzgesetz wird auch gegen eine Firma aus Viersen am Niederrhein ermittelt.

Nach Einschätzung von Datenschützern sind die Adressen "der gesamten bundesdeutschen Bevölkerung" zu Marketingzwecken im Umlauf. Illegal würden "etwa zehn bis zwanzig Millionen Kontodaten" genutzt, sagte der Kieler Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert der "Süddeutschen Zeitung". Die Behörden stünden bei der Aufdeckung des Datenskandals erst am Anfang.

Beck: Überprüfung strafrechtlicher Konsequenzen

Unterdessen geht die politische Debatte weiter: SPD-Chef Kurt Beck bezeichnete den gegenwärtigen Zustand als nicht hinnehmbar und verlangte eine gründliche Überprüfung aller geltenden Regelungen. Neben dem Datenschutz müssten auch strafrechtliche Bestimmungen überprüft werden, zudem müsse es bessere Transparenzregeln geben. "Wenn jemand eine Zeitschrift bestellt, muss klar sein, ob der Kunde damit einverstanden ist, wenn seine Daten weitergegeben werden."

SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz erklärte, Datenklau sei auf die Privatwirtschaft beschränkt: "Der Staat ist sauber, Teile der Privatwirtschaft leider überhaupt nicht", erklärte er im Interview mit der "Passauer Neuen Presse". Der Stellenwert des Datenschutzes müsse "deutlich" erhöht werden, fügte er hinzu - wenn nötig, werde es auch gesetzliche Regelungen geben: "Wir brauchen ein Internet-Grundrecht, und dazu sollte auch der Datenschutz gehören." Allerdings seien auch die Verbraucher selbst gefordert, denn es gebe "schon eine erschreckende Sorglosigkeit im Umgang mit sensiblen Daten".

"Strengste Gesetze der Welt"

Der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes Bitkom, Bernhard Rohleder, sieht die Ursache von Datenklau indes nicht in fehlenden Gesetzen. "Was den Verbraucherschutz und den Schutz von Kundendaten angeht, haben wir in Deutschland mit die strengsten Regeln der Welt", sagte er der "Berliner Zeitung": "Das Instrumentarium ist also vorhanden, gleichwohl sind Verstöße immer möglich."

Die aktuelle Diskussion um Daten- und Verbraucherschutz war mit der Weitergabe von 17.000 Datensätzen, teils mit Kontodaten von Verbrauchern, an die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein in Rollen gekommen. Inzwischen tauchten immer mehr umfangreiche Datensammlungen auf. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen vor allem Call-Center-Betreiber. Auch die Deutsche Telekom war aber offenbar von Datenklau betroffen. (nis/dpa/AFP)

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