Datenschutz : Regierung stoppt Datensammelprojekt „Elena“

06.07.2010 10:12 Uhr

Das größte Datensammelprojekt in der Geschichte der Bundesrepublik soll aufgrund zu hoher Kosten und technischer Mängel auf Eis gelegt werden. Auch beim Datenschutz gibt es Probleme.

Die Bundesregierung will das erst zu Jahresanfang gestartete Daten- Mammutprojekt „Elena“ wegen einer Kostenexplosion und technischer Mängel auf Eis legen. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) schlug vor, das Verfahren für unbestimmte Zeit auszusetzen. Nach Berechnungen der Kommunen könnte die Umsetzung von „Elena“ bis zu acht Mal teurer werden als geplant. Auch beim Datenschutz gibt es Probleme.

Die Kosten pro Arbeitnehmer, die ab 2012 mit einer digitalen Unterschrift Wohn- oder Elterngeld abrufen sollen, würden statt der geplanten zehn Euro inzwischen auf 60 bis zu 80 Euro geschätzt, geht aus einem Schreiben der Spitzenverbände der Kommunen an die Regierung hervor.

Unterm Strich könnte das Projekt etwa 3,2 Milliarden Euro kosten. Der Deutsche Städtetag begrüßte den geplanten Stopp. „Das Verfahren muss dringend geändert werden, denn es ist teuer und unzumutbar für die Antragsteller sowie in dieser Form für die Kommunen nicht umsetzbar“, sagte Städtetag-Experte Helmut Fogt. Die Kosten überstiegen bei weitem die erwarteten Einsparungen der Kommunen. In Koalitionskreisen hieß es, das Aus für „Elena“ könne relativ schnell verkündet werden.

Das größte Datensammelprojekt in der Geschichte der Bundesrepublik war zum 1. Januar gestartet. Seitdem müssen die Arbeitgeber die früher nur auf Papier erfassten Daten monatlich an eine zentrale Speicherstelle bei der Rentenversicherung senden. Rund 3,2 Millionen Arbeitgeber liefern jährlich etwa 60 Millionen Bescheinigungen über Einkommen und Beschäftigung ihrer Mitarbeiter.

Die Pläne der Regierung sahen vor, dass ab 1. Januar 2012 Bürger, die Arbeitslosengeld I, Wohn- oder Elterngeld beantragen wollen, eine elektronische Unterschrift (Signatur) haben müssen. Diese Signatur könnte auf dem neuen elektronischen Personalausweis, der Gesundheitskarte oder einer Bankkarte gespeichert werden.

Auf Druck von Datenschützern und Gewerkschaften war „Elena“ zuletzt schon entschärft worden. Bürgerrechtler hatten im Frühjahr eine Beschwerde gegen „Elena“ vor dem Bundesverfassungsgericht eingereicht. (dpa)

Videos - Politik

Umfrage

Was halten Sie vom neuen Grass-Gedicht?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite