Politik : Daumen runter

Zusammengetragen von Albrecht Meier[Sabine Heimg&]

Fingerabdrücke im Personalausweis - bei den Partnern in der Europäischen Union ist die Erfassung biometrischer Daten nicht ganz unbekannt. In den meisten Fällen abgeschafft sind aber Personalausweise mit Fingerabdrücken. In manchen Fällen - wie auf der britischen Insel - würde selbst die Einführung eines Personalausweises einem Kulturbruch gleichkommen. Nur während des Zweiten Weltkrieges waren die Briten zum Tragen von Personalausweisen gezwungen. Heute begnügen sich die Briten, deren Behörden scharfe Kontrollen an den Außengrenzen des Königreiches vornehmen, mit einem Reisepass. Nach dem 11. September hat in Großbritannien Innenminister David Blunkett zwar die Einführung von Personalausweisen in die Debatte geworfen. Allerdings werden einem solchen Gesetzgebungsvorhaben wenig Chancen eingeräumt: Zu teuer, und am Ende doch nicht völlig fälschungssicher, sagen die Kritiker. Immerhin kündigte Blunkett an, für Asylbewerber würden nun Ausweispapiere samt Fingerprint eingeführt. Grafik: Der Personalausweis der Zukunft In Frankreich gibt es seit 1976 in den Ausweispapieren keine Fingerabdrücke mehr. "Damals wurde diese zusätzliche Sicherheitsmaßnahme nicht mehr für nötig gehalten und abgeschafft", heißt es im Innenministerium in Paris. Auch nach den Terroranschlägen in den USA ist in Frankreich nicht daran gedacht, Fingerabdrücke auf dem Personalausweis wieder einzuführen.

Auch Spanien hat den Fingerabdruck im Personalausweis vor einigen Jahren abgeschafft. Dennoch hat Vater Staat seine Bürger unter Kontrolle und kein Problem, sie zweifelsfrei zu identifizieren. Im Zentralcomputer der spanischen Polizei sind die digitalisierten Fingerspuren sämtlicher Einwohner für immer und ewig gespeichert. Wer also bei Straftaten seine Spuren hinterlässt, kann umgehend ermittelt werden - auch wenn er bisher noch nicht in der Verbrecherkartei stand. Der Abdruck des Fingers wird spätestens in den Polizeicomputer eingespeist, wenn der junge spanische Bürger seinen ersten Personalausweis, das kreditkartengroße "Documento Nacional de Indentidad" (DNI), beantragt. Nur Ausländer sieht man in Spanien offenbar noch als derart verdächtig an, dass sie mit ihrem Aufenthaltsausweis (Residencia) zugleich ihre Fingerspuren vorweisen müssen.

In Österreich wetteifern die Regierungsparteien ÖVP und FPÖ darin, die beste "Sicherheitspartei" zu sein. Die FPÖ, hier vor allem Ex-Parteichef Jörg Haider und Fraktionschef Peter Westenthaler, forderte Fingerabdrücke im Pass zuerst von Ausländern, dann von allen Bürgern.

In Italien kennt man beides, Pässe und Personalausweise. Der Personalausweis enthält keinen Fingerabdruck, und noch nicht einmal die konservativsten Politiker der Mitte-Rechts-Regierung haben bis jetzt die Idee geäußert, dem deutschen Innenminister Schily nachzueifern. Die einzigen, die in Italien einen Fingerabdruck für ein Dokument abgeben müssen, sind die Einwanderer - das gilt auch für Bürger aus der EU.

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