David Irving : Holocaust-Leugner reist zu Gedenkstätten in Polen

Der Holocaust-Leugner David Irving besucht mit einer Reisegruppe historische Stätten in Polen, unter anderem den Führerbunker in der Wolfsschanze und die KZ-Gedenkstätte Treblinka. Gegner fordern seine Festnahme.

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Reiseleiter Irving vor Himmlers Quartier „Hochwald“ in Masuren. Foto: dpa
Reiseleiter Irving vor Himmlers Quartier „Hochwald“ in Masuren. Foto: dpaFoto: dpa

Ein gemeinsamer Protest von britischen und polnischen Organisationen fruchtete nichts. „Irving ist bereits in Polen“, berichtete Marcin Kornak, Chefredakteur der polnischen Zeitschrift „Nigdy Wiecej“ („Nie Wieder“) Anfang vergangener Woche. „Er wurde in Warschau gesehen“, fügte Kornak zähneknirschend an. Zuvor hatte die polnische Stiftung „Nie wieder“ zusammen mit der britischen Zeitschrift „Searchlight“ die Behörden der beiden Länder aufgefordert, die „schändliche Reise“ des britischen Holocaust-Leugners David Irving nach Polen zu verhindern.

Irving hatte in einschlägigen Internetforen eine Polenreise angeboten, die den Teilnehmern die „wahre Geschichte“ aufzeigen solle – für 2900 Dollar. Mit der auserlesenen Schar wollte er in acht Tagen einen Stützpunkt des SS-Führers Heinrich Himmler, Hitlers Führerbunker in der Wolfsschanze, das Gelände des ehemaligen Warschauer Ghettos sowie die KZ-Gedenkstätte Treblinka besuchen. Laut polnischen Presseberichten war ursprünglich auch ein Besuch in Auschwitz geplant.

Am Samstag besuchte Irving mit der Gruppe die Wolfsschanze. Die Polizei behalte den Mann im Auge, sagte eine Polizeisprecherin in Olsztyn im Norden des Landes. Die Beamten seien jederzeit bereit, im Falle einer Straftat einzuschreiten. Der Ort in Ostpreußen ist ein Symbol des militärischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Am 20. Juli 1944 versuchte dort Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Adolf Hitler mit einer Bombe zu töten.

Kurz vor seiner Abreise hatte Irving in alter Manier provoziert. Die polnischen Behörden hätten die KZ-Gedenkstätte Auschwitz in eine „Touristenattraktion im Stile von Disneyland“ verwandelt, sagte der Historiker der britischen „Daily Mail“.

Irvings Programm sei nach offensichtlichen Falschinformationen undurchschaubar geworden, berichtet Kornak im Gespräch. Das ursprüngliche Tourprogramm würde nicht wie geplant abgespult. Nach den Protesten meide Irving die Öffentlichkeit. Dies hat einen guten Grund, denn auch nach polnischem Gesetz drohen für die Leugnung des Holocaust bis zu drei Jahre Haft. Irving war vor fünf Jahren in Österreich festgenommen und in der Folge zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er den Völkermord an den Juden während der Zeit des Nationalsozialismus geleugnet hatte. Nach 13 Monaten wurde er 2006 nach Großbritannien abgeschoben. Seitdem ist der Historiker bei seinen Äußerungen etwas vorsichtiger geworden.

Polnischen Presseberichten zufolge wollen sowohl der Inlandgeheimdienst ABW als auch die Staatsanwaltschaft nach Protesten jüdischer Organisationen Irvings Polenreise genau beobachten. Proteste polnischer Antifaschisten während der Reise waren laut Kornak nicht vorgesehen. „Wir reisen incognito“, kündigte Irving gegenüber der polnischen Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ an und lehnte eine Angabe seines Aufenthaltsorts ab. „Egal wie und wo David Irving seine verbrecherische Ideologie verkündet, die polnischen Behörden müssen reagieren, ihn festnehmen, vor Gericht stellen und einsperren – so wie es die Österreicher gemacht haben“, forderte Kornak im Gespräch mit dem Tagesspiegel.

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