Politik : DAVID MCALLISTER, CDU

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David McAllister
David McAllisterFoto: dpa

Wäre David McAllister nicht gerade erst 43 Jahre alt, könnte man ihn für den sprichwörtlichen Opa halten, den man nach Europa schickt: Wahl verloren, Amt verloren – letzte Ausfahrt Europaparlament. Aber Angela Merkel hätte den Niedersachsen kaum zum nationalen Europa-Spitzenkandidaten der CDU gemacht, wenn sie nicht davon ausginge, dass aus dem jungen Mann noch etwas wird. Das EU-Parlament ist Zwischenstation für einen Weg mit offenem Ende – er kann weiter nach Europa führen, aber auch zurück in die deutsche Politik.

Als er – denkbar knapp – die Wahl in Niedersachsen verloren hatte, stand für McAllister bald fest, dass seine Zukunft nicht als Oppositionsführer in Hannover liegt. Eine denkbare Karriere in Berlin versperrte die nächste Wahl – in der großen Koalition sind Posten stets knapp. So entschied sich der Deutsch-Schotte, der in Berlin aufgewachsen wist, für Europa. Kontakte nach Großbritannien hat er schon als Landesvater gepflegt, sein Englisch ist natürlich perfekt – als Grundausstattung ist das mehr, als mancher andere nach Brüssel und Straßburg mitbringt. Französisch lernt er gerade.

Ohnehin präsentiert sich McAllister im Moment gern als Lernender. Wer in den Wahlkampfwochen wissen wollte, für welche Ämter denn so der Titel des „Spitzenkandidaten“ prädestiniert, bekam eine bescheidene Auskunft: Er gehe als ganz normaler Abgeordneter in das neue Parlament, wolle sich dort erst mal umschauen und zurechtfinden; später könne man ja weiter sehen.

Das wirkt wie Koketterie. Aber tatsächlich sind bisher die Ämter eher zu McAllister gekommen als umgekehrt; das galt für den Fraktions- und den Parteivorsitz in Niedersachsen ebenso wie für den Job des Ministerpräsidenten, den er von seinem Mentor Christian Wulff erbte. Und in seiner Altersklasse sind die Talente in der CDU nicht dicht gesät; solche mit distinguiert konservativer Anmutung bei liberaler Denkungsart erst recht nicht. Robert Birnbaum

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