Politik : Dax-Firmen: Gewinne rauf – Jobs raus

Die 30 größten Aktiengesellschaften verdienten 35,7 Milliarden und strichen 35000 Stellen in Deutschland

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Berlin Die 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands haben ihre Gewinne im vergangenen Jahr auf zusammen 35,7 Milliarden Euro verdoppelt und dennoch im Inland knapp 35000 Stellen gestrichen. Das ergab eine Umfrage des Tagesspiegels zum Ende der Bilanzsaison bei den Dax-Konzernen. Weltweit schufen die Unternehmen dagegen gut 9600 Jobs. Enthalten sind in diesen Zahlen auch die Effekte von Unternehmensverkäufen, Akquisitionen und Abspaltungen. Profiteure des Gewinnsprungs sind die Aktionäre. An sie fließen so viel Dividenden wie zuletzt vor fünf Jahren.

Die Bilanz der Bilanzen löste bei Gewerkschaften und in der SPD Empörung aus. IG-Metall-Chef Jürgen Peters sagte dem Tagesspiegel, die Arbeitgeber müssten „ihre Zweckjammerei“ aufgeben und die Arbeitslosigkeit verringern. „Die Bilanzen sind der klare Gegenbeweis für die Märchenstunden der Arbeitgeber über die Nachteile des Standortes“, sagte Peters. Frank Bsirske, Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, sagte dieser Zeitung: „Diese Rekordgewinne belegen eindeutig, wie leistungsfähig die deutsche Wirtschaft und ihre Beschäftigten sind.“ Dennoch werde lamentiert, Löhne und Steuern seien zu hoch und die Arbeitszeiten zu kurz. Die Gewinne würden allerdings hauptsächlich im Export erzielt. „Ein Beleg dafür, dass es um die Produktivität bestens bestellt ist“, sagte Bsirske. Das Problem sei die schwache Binnenkonjunktur. „Ich fordere die Unternehmen auf, Schluss zu machen mit neuen Erpressungsversuchen von Belegschaften und endlich von der Investitionsbremse herunterzugehen“, sagte DGB-Vizechefin Ursula Engelen-Kefer dem Tagesspiegel.

Auch der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, Rainer Wend (SPD), bezeichnete es als eine „ungesunde Entwicklung“, dass viele Aktiengesellschaften wegen der zunehmend anonymen Eigentümerstruktur vor allem auf kurzfristige Gewinne schauten. „Es kann nicht sein, dass die Verantwortung der Unternehmen sich darauf reduziert, maximale Gewinne zu machen. Sie haben auch eine Verantwortung für ihre Belegschaften und für langfristige Investitionen“, sagte Wend.

SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler sagte, früher habe gegolten: „Die Gewinne von heute sind die Investitionen und Arbeitsplätze von morgen.“ Diese Anforderung gelte immer noch.

Analysten erwarten, dass die Arbeitslosenzahl im März auf dem Rekordniveau von 5,2 Millionen verharrt. Die exakten Daten gibt die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag nach Ostern bekannt. Die Bundesregierung erwartet eine deutliche Entspannung in der zweiten Jahreshälfte.

Weltweit beschäftigen die Dax-Firmen 3,55 Millionen Menschen – rund 0,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Allein Siemens erhöhte die Mitarbeiterzahl um 23000 auf 430000. Im Inland sieht die Job-Bilanz nicht so rosig aus. Insbesondere in der Finanzbranche wurden massiv Stellen gestrichen. Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und Analysten erklärte, die deutschen Unternehmen liefen Gefahr, beim Personalabbau zu übertreiben. Die Erwartungen der Unternehmen an die Konjunktur haben sich indes weiter eingetrübt, wie der Ifo-Geschäftsklimaindex ergab. Tsp

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