Politik : DDR als Konzept

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Heute beginnt ja die Afghanistan-Konferenz in Berlin. Die Delegationen sind längst da, und von der afghanischen ist zu hören, dass sie zwar nobel beherbergt ist, dass ihre Mitglieder aber zuweilen noch etwas schüchtern auf die Herausforderungen und Möglichkeiten einer großen, westlichen Stadt reagieren. Das hat eben etwas von Kulturschock. Besonders schockiert wären die Afghanen sicherlich, wenn sie in Berlin fein essen gehen und der Chefkoch seinen exotischen Gästen fröhlich erklärt, klar sei der Trüffel-Fasan spitze, schließlich habe er eine solide CIA-Ausbildung!

Damit ist dann nämlich nicht der US-Geheimdienst gemeint, sondern das „Culinary Institute of America“, eine der besseren Kochschulen der USA. Die Verwirrung steigert sich heute wahrscheinlich, wenn die Briten und Amerikaner den Vertretern Kabuls beibringen, dass sie auf eine konsequente DDR-Politik im Nachkriegs-Afghanistan setzen. Wie bitte? Konsequente DDR-Politik? Genug des Deutschen mächtige Afghanen gibt es, dass der gesamten Delegation ein Schauer den Rücken herunterlaufen wird. Honecker und Mielke als Muster?

Nein, auch das mit der DDR ist anders gemeint. Unter westlichen Diplomaten steht DDR für „Demilitarisierung, Demobilisierung, Reintegration“. Dies bedeutet, dass die Privatarmeen der Provinzfürsten abgerüstet, aufgelöst und wieder ins zivile Leben eingegliedert werden sollen. Eine sehr lobenswerte und friedfertige Sache also, auch wenn sie sich hinter dem Kürzel DDR verbirgt. Von der CIA bekocht werden, und dann konsequent DDR machen: Berlins Konzept für das neue Afghanistan. Darauf einen – Tee?

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