Debatte : Grüne Katrin, schwarzer Peter

Sind das schon Koalitionsverhandlungen? Die Grüne Fraktionsvorsitzende diskutiert mit dem CDU-General - und versucht, diesen Eindruck auf jeden Fall zu vermeiden.

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Der Werber und die Skeptische: Katrin Göring-Eckardt und Peter Tauber beim Diskutieren in der Böll-Stiftung, in der Mitte Moderator Ali Aslan.
Der Werber und die Skeptische: Katrin Göring-Eckardt und Peter Tauber beim Diskutieren in der Böll-Stiftung, in der Mitte...Foto: Konrad-Adenauer-Stiftung

Er macht sich gut auf dem grasgrünen Retrosessel. Während er noch auf seinen Auftritt wartete, neben dem Vorsitzenden der Böll-Stiftung Ralf Fücks, da wirkte Peter Tauber mit seiner Hipster-Platte, schwarze Brille, modischer schwarzer Anzug, gar wie ein jüngerer Bruder von Fücks. Man sollte meinen, dass es hoch her geht, wenn der CDU-Generalsekretär Peter Tauber mit der Grünen Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt ausgerechnet über Flüchtlingspolitik diskutiert. Es ist der Tag nach der Dresdner Oberbürgermeisterwahl, wo die Pegida-Kandidatin 10 Prozent holte, ohnehin ist die Gefahr von rechts für Tauber und die Union trotz der Hahnen- und Hennenkämpfe der AfD noch lange nicht gebannt. Und dann ist Flüchtlingspolitik natürlich ein kitzliges Thema, für Schwarze wie Grüne, wenn auch aus gegensätzlichen Gründen.

Der Mann des U vorm C

Doch es geht mehr als friedlich zu, was auch an der Person eines der Kombattanten liegen dürfte. Tauber hat seine Partei vor Wochen mit dem Vorschlag eines Einwanderungsgesetzes in Wallung gebracht und versucht seit einiger Zeit, die Seinen nach den Jahrzehnten der Beschwörung des hohen C im Parteinamen dazu zu bringen, den dritten Buchstaben etwas lauter zu buchstabieren, das U für die innere Einheit mit der wachsenden Zahl der neuen Deutschen. Tauber betont noch einmal seinen Abstand zum Innenminister Thomas de Maizière, der einem neuen Gesetz eine klare Absage erteilt hatte, und plädiert für eine "permanente und unaufgeregte Einwanderungspolitik". So machten es die klassischen Einwanderungsländer, "da müssen wir auch hinkommen".

"Wir haben keine Islamisierung, sondern Rekatholisierung"

Und während Kontrahentin KGE immer wieder angreift - "Ich hab noch was fürs Dissensbarometer" - macht der CDU-General, von Amts wegen eigentlich auf Attacke aus, unverdrossen gut Wetter. Als Göring-Eckardt die 48 verschiedenen Türen kritisiert, die es für Ausländer nach Deutschland gebe, fragt Tauber zurück: "Wird es denn besser, wenn ich zwölf der 48 Türen zumache?" Ob es nicht besser sei, wenn die Leute, die es wissen müssen, erfahren, dass es diese 48 Türen gibt? Selbst den Kampf um Worte ist Tauber bereit aufzugeben: "Ich bin auch dabei, es Einwanderung zu nennen" antwortet er auf Göring-Eckardts Spott, ein linksliberaler Dauerbrenner, über die traditionelle christdemokratische Wortschöpfung "Zuwanderung". Die CDU schleppe immer noch die Hypothek des hessischen Ausländerwahlkampfs und des "Kinder-statt-Inder"-Wahlkampfs in Nordrhein-Westfalen kurz danach mit sich, sagt Göring-Eckardt. Tauber kontert: Und als die CDU Deutschtests vor der Einschulung verlangte, hätten die Grünen von Zwangsgermanisierung gewettert, "Da lernen doch beide Seiten, es ist doch nicht der springende Punkt, wo wer mal stand." Angriff übt der CDU-General an diesem Abend eher gegen Abwesende - auch aus den eigenen Reihen? - als er gegen die Parole von der "Islamisierung" wettert: "Wir haben keine Islamisierung, sondern eher eine Rekatholisierung des Landes", die meisten Menschen wanderten schließlich aus katholisch geprägten Ländern ein.

Schwarze Wünsche, grüne Ängste

Den Gesichtern auf dem Podium bei Böll - eingeladen hatten beide parteinahe Stiftungen, die grüne Böll- und die christdemokratische Konrad-Adenauer-Stiftung - ist die politische Großwetterlage recht gut abzulesen. Taubers fröhliche Entspanntheit und Göring-Eckardts manchmal trotzige Züge und sehr schmale Lippen, die auch Moderator Ali Aslan lockere Moderation nicht zum Lächeln bringen kann: Da spiegelt sich mehr als die Lage der großen Regierungspartei, die sich Großzügigkeit leisten kann, und der kleineren Partei in einer ohnehin gefährlich kleinen Opposition. Da sind auch die Ängste und Wünsche für die Zeit präsent, da sich dieses Verhältnis einmal verändern könnte. Die Christdemokratie Merkels, die mit einer grünen Koalitionspartnerin kaum Probleme hätte, eine Grüne Partei, die sich noch auf jedem Parteitag gegen genau diese Möglichkeit gestemmt hat - und sich dadurch in der babylonischen Gefangenschaft einer SPD befindet, der zum rot-grünen Regieren die Wählerbasis fehlt.

"Steigen wir gleich ein in die vorgezogenenen Koalitionsverhandlungen", hatte Moderator Aslan gesagt, um die Debatte zu eröffnen und sich gleich korrigiert: Nein, nur eine ganz normale Diskussionsveranstaltung zweier politischer Stiftungen.

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