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Debatte über Geburtenrückgang : "Eltern wollen keine Massen-Kitas"

18.12.2012 08:48 Uhr
Die Hälfte der jungen Akademikerinnen in Deutschland bleibt kinderlos.Bild vergrößern
Die Hälfte der jungen Akademikerinnen in Deutschland bleibt kinderlos. - Foto: dpa

Nach den alarmierenden Zahlen zur Geburtenflaute in Deutschland kritisiert der Kinderschutzbund große Defizite bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Gerade höherqualifizierte Frauen würden sich nicht wegen des Elterngeldes für Kinder entscheiden.

Angesichts neuer alarmierender Daten zur Geburtenflaute in Deutschland kritisiert der Kinderschutzbund scharf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. „Wir haben große Defizite bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Und es fehlt leider auch das Bewusstsein und die feste Überzeugung, dass Kinder wirkliches Glück ins Haus bringen“, sagte Präsident Heinz Hilgers der „Passauer Neuen Presse“. „Junge, intelligente Frauen entscheiden sich nicht wegen des Elterngeldes oder 150 Euro Betreuungsgeld für Kinder.

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Eltern wollten keine „Massen-Kindertagesstätten, sondern qualitativ hochwertige Angebote“, dies gelte gerade für die Höherqualifizierten. In Frankreich, wo Frauen im Vergleich mehr Kinder bekommen, gebe es da eine „völlig andere Mentalität“. „Es darf uns nicht ruhen lassen, dass die Hälfte der jungen Akademikerinnen in Deutschland kinderlos bleibt“, sagte Hilgers weiter.

Einer Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zufolge ist Kinderkriegen in Deutschland noch immer unattraktiv. Den Hauptgrund sieht die Studie im Konflikt von Beruf und Familie. Hinzu komme die fehlende gesellschaftliche Anerkennung für berufstätige Mütter, gepaart mit gestiegenen Anforderungen und Erwartungen. Die CSU-Familienexpertin Dorothee Bär sagte, in Deutschland seien Kinder häufig ein lange geplantes Megaprojekt, während sie zum Beispiel in Frankreich ganz selbstverständlich zum Leben dazugehörten. „Sie werden nicht minuziös zu einer bestimmten Lebensphase geplant, sondern sind zu jeder Zeit willkommen“, sagte die familienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Dass Paare sich gegen Kinder entscheiden, weil sie den Erwartungsdruck der Gesellschaft fürchten, nannte Bär „eine ungute Entwicklung“. „Was jungen Paaren und Eltern Mut macht, sind Vorbilder aus allen Bereichen, die ihnen die Lust aufs Kind vorleben“, sagte sie.

Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt nannte die Vereinbarkeit von Beruf und Familie „eines der zentralen Anliegen der deutschen Arbeitgeber“. Nachholbedarf habe vor allem die Politik, sagte Hundt den Dortmunder „Ruhr Nachrichten“. „Um Erziehenden dabei zu helfen, Familie und Beruf erfolgreich miteinander zu vereinbaren, muss der bedarfsgerechte Ausbau der Kinderbetreuungsinfrastruktur höchste Priorität erhalten.“ Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, könne allerdings nur gelingen, wenn alle gesellschaftlichen Akteure zusammenwirkten. (AFP/dpa)

Weitere Informationen über die Studie zum Geburtenrückgang unter: www.bib-demografie.de

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