DEBATTE UM ATOMKRAFT : Pragmatische Finnen

Mit Verwunderung haben viele Finnen die Debatten in Deutschland um die Atomenergie und den Beschluss zur Schließung der alten Meiler verfolgt. Selbst nach der Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima wurde das Vertrauen der Finnen in die Atomkraft nur wenig beschädigt. 85 Prozent der Bürger halten die Atomkraftwerke im eigenen Land – zwei Reaktoren schwedischer und zwei sowjetischer Bauart – für sicher. Zu einer Demonstration gegen Kernkraft in der Hauptstadt Helsinki kamen in dieser Woche nur einige hundert Menschen. „Wir Finnen sehen die Atomenergie sehr pragmatisch“, sagt Riku Huttunen vom Wirtschaftsministerium. 48 Prozent der Finnen befürworten den Bau neuer Reaktoren, genauso viele lehnen dies ab. Einer wird bereits gebaut, zwei weitere hat das finnische Parlament im vergangenen Jahr im Grundsatz genehmigt.

Auch vor den Parlamentswahlen spielte das Thema Atomkraft praktisch keine Rolle, und selbst die Grünen konnten damit nicht punkten. Die Partei, die der bisherigen Regierung angehört, hatte zwar gegen die Grundsatzgenehmigung für die zwei neuen Reaktoren gestimmt, die Koalition aber dennoch nicht platzen lassen. Grünen-Chefin Anni Sinnemäki fordert nun, keine Baugenehmigung für die beiden Reaktoren zu erteilen. Es gilt jedoch als wenig wahrscheinlich, dass diese Forderung mehrheitsfähig ist. Die bisherige Regierungschefin Mari Kiviniemi betont, dass das Land den Ausbau der Kernkraft brauche: „Wir haben das durchgerechnet, wir können das Defizit nicht anders decken.“ Allerdings zeichnet es sich nach Fukushima ab, dass es wohl keine Genehmigung für einen weiteren, achten Reaktor geben wird. cvs

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben