Debatte um Austritt aus der Europäischen Union : Der Brexit spaltet die Briten

In zwei Wochen entscheidet Großbritannien über den Verbleib in der EU. Vor allem Premier David Cameron hat als Befürworter einen schweren Stand.

Ukip-Chef Daniel Farage will raus aus der EU.
Ukip-Chef Daniel Farage will raus aus der EU.Foto: AFP/DANIEL LEAL-OLIVAS

Schon eigenartig. Da treten der britische Premier David Cameron und der rechtspopulistische Brexit-Wortführer Nigel Farage in einer TV-Sendung vor die Kamera – doch eine Debatte gibt es nicht. Keine Wortgefechte, kein Schlagabtausch, kein rhetorischer Showdown. Stattdessen treten beide nacheinander vor das Publikum, antworten schön brav den vorhersehbaren Fragen – Wahlkampf british style.

Richtig punkten kann keiner. Dabei geht es diesmal wirklich um die Zukunftsfrage der Nation. Soll das Vereinigte Königreich in der Europäischen Union bleiben, oder den Austritt wagen und alleine seine Wege gehen? Farage greift auch diesmal zu seiner Standardgeste: Der Chef der rechten Unabhängigkeitspartei Ukip zieht einen britischen Pass aus der Tasche, im EU-Rot: Das ist kein britischer Pass, höhnt er, das ist ein EU-Pass.

Er kämpfe dafür, dass es künftig wieder britische Dokumente gebe. Das klingt simpel und eingängig, doch das Schauspiel war schon so oft im TV zu sehen, dass es abgegriffen wirkt. Zieht es noch beim Wähler?

Dann kommt sein Lieblingsthema Migration – und Farage gerät unter Druck. Seit Wochen spiele er mit der Angst, monieren aufgebrachte Fragesteller aus dem Publikum. Sie werfen ihm Rassismus vor und werden dabei mit Beifall unterstützt.
Auch der Erzbischof von Canterbury hat ihn jüngst deshalb ermahnt, doch Farage setzt die Unschuldsmiene auf: Er werde „dämonisiert“. Tenor: Alles falsch verstanden, ich bin gar nicht so schlimm, wie manche meinen.

Neue Umfragen sehen die Austritts-Befürworter vorne

Auch nennt er wieder „die Kölner Ereignisse“, kritisiert Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen ihrer Flüchtlingspolitik. Überzeugt das? Aber auch Cameron hat keinen leichten Stand. Gebetsmühlenartig wirken seine Antworten, missliche Fragen räumt er brüsk zur Seite, sofort bringt er wieder sein Mantra: Die EU ist gut für die britische Wirtschaft, und was gut ist für die Wirtschaft, ist gut für das Land. Basta, Ende der Diskussion.

Das Publikum macht nicht den Eindruck, als sei es damit zufrieden. Täuscht es? Oder wirkt Cameron, immer fahriger, immer nervöser, je näher der Wahltag rückt? Grund zur Unruhe hat er, denn die Umfragen verheißen nichts Gutes.
Seit Wochen sagen sie ein Kopf-an- Kopf-Rennen voraus, neueste Umfragen sehen jetzt sogar die Austrittsfreunde im leichten Vorteil. Allerdings gibt es Vorbehalte gegen die Erhebungen, viele sind lediglich Online-Umfragen, schon bei den Parlamentswahlen vor einem Jahr haben die Auguren schwer daneben gelegen.

Fazit: Zwei Wochen sind es noch bis zum 23. Juni. Niemand weiß, was kommt. Nicht nur Großbritanniens Zukunft steht auf dem Spiel, es geht auch um das Schicksal der Europäischen Union. Fest steht: Es hängt am seidenen Faden. Premier David Cameron, dessen politisches Schicksal vom Ausgang des Referendums abhängen könnte, hat den erhofften Befreiungsschlag nicht geschafft. Es bleibt hochspannend. (dpa)

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