Debatte um Kleinkindbetreuung : Mixa will Militärbischof bleiben

Selbst führende Katholiken widersprechen mittlerweile dem Augsburger Bischof Walter Mixa. Dieser wiederholte seine Kritik an Ursula von der Leyen und dem Ausbau der Kleinkindbetreuung und wies Rücktrittsforderungen zurück.

München - Politiker von SPD und Grünen hatten Mixa aufgerufen, sein Amt als Militärbischof aufzugeben. Die Forderungen entbehrten jeder Grundlage, sagte der Bischof, der dieses Ehrenamt seit August 2000 ausübt. Auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Hans-Joachim Meyer, der Mixa in der Sache scharf widersprach, nannte die Rücktrittsforderungen einen "schlechten Witz". "Wenn jedermann abgesetzt wird, der eine Meinung vertritt, die anderen nicht passt - wo kommen wir da hin in dieser Gesellschaft", fragte Meyer.

Der ZdK-Präsident nannte es zugleich "verletzend", wenn Mixa Frauen die Würde abspreche, die sich für die Verbindung von Mutterschaft und Beruf aussprächen. "Wir sind dafür, dass die Angebote zur Kinderbetreuung ausgebaut werden. Das sehen die meisten Katholiken so und, wie ich glaube, auch die meisten Bischöfe", betonte der Chef der katholischen Laienorganisation. Er warf Mixa zugleich "kulturkämpferische Töne" vor.

Niebel: Mixas Äußerungen sind "Unsinn"

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel kritisierte die Äußerungen Mixas als "Unsinn". "Niemand wird in die Berufstätigkeit gezwungen, aber es muss darum gehen, dass beides möglich ist: Arbeiten zu gehen oder Zuhause zu bleiben", sagte Niebel. SPD-Vize Bärbel Dieckmann betonte, Mixas Äußerungen zeigten, "wie weit er von den Lebensrealitäten der Familie entfernt ist".

Links-Fraktionsvize Petra Pau wehrte sich gegen den Vergleich mit der DDR. "Der Anspruch, Betreuung und frühkindliche Bildung unter einen Hut zu bekommen, wurde in der DDR auch nicht optimal umgesetzt, aber das ist kein Grund, das ganze System zu denunzieren", sagte sie.

Mixa: Kleinkinderbetreuung ist "Notlösung"

Mixa verteidigte seine Position. "Frau von der Leyen ideologisiert die Diskussion, weil sie einseitig auf den Ausbau der Fremdbetreuung setzt", sagte der Bischof. Er bezeichnete die Kleinkinderbetreuung als "Notlösung", die von der Politik zum gesellschaftspolitischen Regelfall gemacht werden solle. Er habe für seine Haltung in den vergangenen Wochen rund 3000 E-Mails erhalten. Über 80 Prozent der Zuschriften hätten ihn ermutigt, seine Position offensiv darzustellen.

Seine Haltung sei auch keine "katholische Spezialität", betonte Mixa. Dass eine gute Mutter ihren Kindern Vertrauen, Geborgenheit und Liebe schenke sowie innerhalb der Familie für eine menschliche Atmosphäre sorge, sei das "Urbild der Mutter, wie wir sie uns alle wünschen", sagte der Augsburger Bischof. Die Politik müsse Rahmenbedingungen schaffen, "die junge Frauen ermutigen, wieder vorrangig und mit Begeisterung Mutter zu sein". (Von Stefan Uhlmann, ddp)

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