Debeka kündigt Preisnachlässe an : Beitragssenkung für 1,2 Millionen Privatversicherte

Die größte private Krankenversicherung kündigt schon jetzt Beitragssenkungen für 2018 an. In der SPD sehen sie darin auch ein politisches Manöver vor der Wahl.

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Beitragssteigerungen in der PKV sind für viele blutdrucksteigernd. Doch diesmal wird ein Teil der Privatversicherten entlastet.
Beitragssteigerungen in der PKV sind für viele blutdrucksteigernd. Doch diesmal wird ein Teil der Privatversicherten entlastet.Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Einen Monat vor der Bundestagswahl hat Deutschlands größte private Krankenversicherung angekündigt, ihre Beiträge im nächsten Jahr nicht zu erhöhen, sondern auf breiter Front zu senken. Mindestens 1,2 Millionen Kunden, also fast jeden vierten ihrer 4,6 Millionen Voll- und Zusatzversicherten, will die Debeka entlasten – und zwar um durchschnittlich 1,5 Prozent. „Entgegen vieler Vorurteile gibt es so etwas auch in der privaten Krankenversicherung“, sagte Debeka-Vorstandschef Uwe Laue.

Der Gesundheitsexperte der SPD, Karl Lauterbach, wertet die ungewöhnlich frühe Ankündigung als gezieltes Wahlkampfmanöver. Schließlich begründen SPD, Grüne und Linkspartei ihren Ruf nach einer Bürgerversicherung auch mit dem Argument, dass die Beiträge der privaten Krankenversicherung (PKV) für viele der darin festgehaltenen Versicherten zunehmend unbezahlbar würden.

Lauterbach: Kostenanstieg wird größtenteils von Steuerzahlern abgefangen

Bei der Debeka handle es sich aber um „eine Sondersituation“, sagte Lauterbach dem Tagesspiegel. Die meisten der dort Versicherten nämlich seien Beamte. Weil diese eine staatliche Beihilfe von 50 Prozent und im Alter sogar von 70 Prozent erhielten, werde der Kostenanstieg „zum größten Teil vom Steuerzahler abgefangen“.

Die angekündigte Beitragssenkung verweise infolgedessen nur umso stärker auf die Ungerechtigkeiten der Finanzierung, so Lauterbach. Und sie ändere nichts daran, dass für alle anderen Privatversicherten „das dicke Ende“ nach der Wahl kommen werde. Seiner Prognose zufolge könnten sich die PKV-Beträge für Nicht-Beamte in den nächsten zehn Jahren nahezu verdoppeln.

Gewöhnlich kommen die Prognosen erst im November

Tatsächlich hat sich außer dem Marktführer bisher noch kein anderes PKV-Unternehmen mit Festlegungen fürs nächste Jahr hervorgewagt. Gewöhnlich kommen sie damit erst Anfang oder Mitte November heraus. Und selbst bei der Debeka ist noch nicht alles spruchreif. Wie viele aus der Gruppe der über 60-Jährigen von Beitragssenkungen profitierten, sei noch offen, sagte Debeka-Sprecher Christian Arns. Fest stehe nur, dass sich die Zahl der Profiteure dadurch weiter erhöhe. Der Grund für die Ermäßigungen liege darin, dass die Leistungsausgaben weniger gestiegen seien als erwartet.

Gleichzeitig kündigte die Versicherungsgruppe an, dass es bei rund 125.000 Versicherten auch zu Beitragserhöhungen kommen werde. Im Wesentlichen seien davon Verträge für Kinder betroffen. Sie hätten mit Aufschlägen von durchschnittlich drei Prozent zu rechnen.

Jüngste Erhöhung betrug im Schnitt 8,5 Prozent

Günstiger davon kämen im kommenden Jahr 416.000 Voll- und 783.000 Zusatzversicherte der Debeka. Die Beitragssenkung relativiert sich jedoch beim Blick auf die Erhöhungen dieses Jahres. Sie betrugen auch bei der Debeka im Schnitt 8,5 Prozent – und einige ihrer Kunden hatten sogar Steigerungen im zweistelligen Bereich zu verkraften.

Gleichwohl widersprach das Unternehmen der Behauptung, dass die PKV auf längere Sicht mit den Beitragssteigerungen weit über der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) liege. Eine Studie des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung habe ergeben, dass die Debeka hier sehr wohl mit den gesetzlichen Anbietern mithalten könne. Seit 1997 habe die Beitragserhöhung hier wie dort pro Jahr im Schnitt 2,6 Prozent betragen - die Leistungseinschränkungen in der GKV durch diverse Gesundheitsreformen noch gar nicht eingerechnet.

Nur 2294 Vollversicherten ohne Beihilfe, also grade mal 0,59 Prozent, zahlten bei der Debeka mehr als den GKV-Höchstbeitrag von 682,95 Euro, sagte der Sprecher. Nur bei 275 (0,07 Prozent) liege der Beitrag über 800 Euro. Und nur 24 Privatversicherte (von 2,3 Millionen) zahlten mehr als 1000 Euro.

Anders als die Konkurrenz legt die Debeka bei Neumitgliedern zu

Bei Anbietern, die ihre Kunden in der Vergangenheit mit Billigtarifen geködert haben oder weniger junge Versicherte dazugewinnen können, sieht das natürlich etwas anders aus. Und der Wechsel zwischen den PKV-Unternehmen ist gerade für ältere Versicherte außerordentlich schwierig.

Die Debeka schaffte nach eigenen Angaben im Jahr 2016 entgegen dem allgemeinen Branchentrend in der Vollversicherung erneut einen Nettozuwachs von rund 33.000 Neumitgliedern. Allerdings sieht sich das Vorzeigeunternehmen durch den Plan Hamburgs, seinen Beamten künftig auch den hälftigen Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung zu bezahlen, wegen seines hohen Anteils von Staatsdienern nun ganz besonders bedroht.

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