Politik : Deiche der Oder halten der Flutwelle vorerst stand

Keine Entwarnung in Frankfurt / Evakuierung erwogen / Experten rechnen wegen Regens mit neuem HochwasserPOTSDAM/FRANKFURT (ODER) (Tsp/AFP).Die Situation in den vom Hochwasser der Oder bedrohten Gebieten in Brandenburg hat sich am Freitag zugespitzt, aber nicht dramatisch verschärft.Insgesamt schwächte sich der Anstieg der aus Südpolen heranrollenden Flutwelle im Vergleich zum Vortag ab.Zugleich setzten in den Katastrophengebieten Tschechiens und Südpolens am Freitag die befürchteten erneuten starken Regenfälle ein.Die Krisenstäbe beider Länder bereiteten sich auf die Gefahr neuer Überschwemmungen vor.Auch das deutsch-österreichische Grenzgebiet nahe Passau und Linz wurde überflutet. In Frankfurt wurde der Scheitel der heranrollenden Hochwasserwelle bis Freitag abend erwartet.Obgleich der Wasserspiegel geringer anstieg als erwartet, gibt es nach den Worten von Brandenburgs Umweltminister Matthias Platzeck (SPD) "nicht den geringsten Anlaß, von Entwarnung zu reden".Bis jetzt hätten keine Menschen evakuiert werden müssen."Wir schließen es jedoch in den nächsten Tagen nicht aus." Rund 500 Deichläufer kontrollieren die 167 Kilometer langen Befestigungen entlang der Oder.Fachleute fürchten, daß die Deiche einer längeren Phase der Durchfeuchtung nicht standhalten.Sie rechnen damit, daß das Hochwasser mindestens zehn Tage anhält.Zwischen Ratzdorf, wo Oder und Neiße zusammenfließen, und Frankfurt mußten nach den Worten Platzecks bereits zehn Stellen abgedichtet werden, an denen Wasser durch die Deiche gedrungen war. Angesichts der erneuten Regenfälle über den Katastrophengebieten Tschechiens und Südpolens und der auch für Brandenburg vorausgesagten Niederschläge rechneten die Experten mit einer zweiten Flutwelle.Das Bundesinnenministerium stellte 950 Beamte des Bundesgrenzschutzes und sechs Hubschrauber zur Verfügung. Wegen der angespannten Hochwasserlage schlossen die polnischen Behörden am Morgen die Grenzübergänge Frankfurt Stadtbrücke und Küstrin.Der Eisenbahnverkehr war dagegen nicht behindert und auch der Autoverkehr am Grenzübergang Frankfurt rollte ganz normal. In Polen herrschte am Freitag Staatstrauer für die Opfer des Hochwassers.Für die bislang 48 Todesopfer fanden zahlreiche Gottesdienste statt.Der polnische Präsident Aleksander Kwasniewski unterzeichnete 21 Gesetze, die Hilfe und Wiederaufbau in den Katastrophengebieten erleichtern sollen.Kwasniewski schloß bei einer Verschärfung der Hochwasserlage eine Verhängung des Ausnahmezustandes nicht aus. In Polen regnete es unter anderem in der Region Jelenia-Gora nahe der Grenze zu Tschechien.Die 130 000-Einwohner-Stadt Opole (Oppeln) wurde angewiesen, sich auf neue Evakuierungen vorzubereiten.Die Regierung bildete außerdem einen Krisenstab.Vize-Umweltminister Krzysztof Szamalek sagte, die befürchtete neue Flutwelle könne gefährlicher sein als die erste, weil ein Teil der Deiche zerstört sei. In Österreich richteten Überschwemmungen bislang Schäden in Höhe von umgerechnet 285 Millionen Mark an.Mit den neuen Überflutungen hatten vor allem Dörfer rund um die Stadt Schärding sowie um Grieskirchen in der Nähe von Linz zu kämpfen.

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