Delhi-Attentate : Muslimische Extremisten bekennen sich zu Anschlägen

Nach der blutigsten Anschlagsserie in der Geschichte der indischen Hauptstadt Neu Delhi hat sich eine muslimische Extremistengruppe zu der Tat bekannt.

Neu Delhi - Die Urheberschaft von Islami Inqalabi Mahaz (Islamische Revolutionsfront) müsse aber noch überprüft werden, sagte Polizeioffizier Karnail Singh am Sonntag vor Journalisten in Neu Delhi. Die Organisation sei seit 1996 aktiv und habe Verbindungen zu der berüchtigten muslimischen Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba. Nach Polizeiangaben starben bei den drei Bombenexplosionen am Samstag - drei Tage vor einem bedeutenden Hindu-Fest - mindestens 59 Menschen, 210 wurden verletzt.

Die Nachrichtenagentur PTI meldete, mehr als 20 Menschen seien nach den Anschlägen befragt worden. Nach Angaben der Polizei wurde aber niemand festgenommen oder verhaftet. Die Suche nach den Hintermännern laufe auf Hochtouren. Alle 60.000 Polizisten in der Hauptstadt seien im Einsatz, sagte der Sprecher der Polizei in Delhi, Ravi Pawar, am Sonntag. Der indische Premierminister Manmohan Singh sprach von «heimtückischen Terrorakten» gegen das indische Volk. Ein Sprecher Singhs sagte: «Indien wird den Kampf gegen den Terrorismus gewinnen.» Die Anschläge wurden weltweit verurteilt.

Trotz der Anschläge einigten sich Indien und Pakistan in der Nacht zum Sonntag auf die teilweise Öffnung der De-facto-Grenze in der zwischen den beiden Atommächten geteilten Region Kaschmir. Damit soll die Hilfe für die Opfer des Erdbebens vom 8. Oktober erleichtert werden. An fünf Punkten sollen sich Kaschmirer von beiden Seiten vom 7. November an treffen und zu Fuß Hilfsgüter auf die andere Seite bringen können. Die Anschlagserie hatte die Gespräche überschattet.

Ein Sprecher von Islami Inqalabi Mahaz sagte in Telefonaten mit Medien in Kaschmir, es werde zu weiteren Anschlägen kommen, sollte Indien seine Soldaten nicht aus Kaschmir abziehen. Die muslimische Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba (Soldaten der Reinen) operiert angeblich aus Pakistan heraus und wird von Indien für den Anschlag auf das Parlament in Neu Delhi Ende 2001 verantwortlich gemacht, der fast zum Krieg mit Pakistan geführt hätte.

Zwei Bomben waren am Samstagabend auf belebten Märkten in den Stadtvierteln Paharganj und Sarojini Nagar explodiert. Paharganj ist besonders unter ausländischen Rucksackreisenden beliebt. Ein dritter Sprengsatz war in einem Bus platziert. Die drei Bomben detonierten innerhalb von 20 Minuten. An den Anschlagsorten brach Chaos und Panik aus. Viele Geschäfte brannten. Unter den Opfern sind Medienberichten zufolge auch Kinder. Nach Erkenntnissen des Auswärtigen Amtes in Berlin sind keine Deutschen betroffen. Nach den Anschlägen wurden die Sicherheitsvorkehrungen im ganzen Land verschärft. Die Polizei verstärkte die Kontrollen an der Stadtgrenze Delhis.

Die pakistanische Regierung verurteile die Anschlagserie noch am Samstagabend. Sie sei «ein krimineller Akt des Terrorismus», sagte die Sprecherin des pakistanischen Außenministeriums, Tasneem Aslam. Die Regierung und das pakistanische Volk seien schockiert. UN-Generalsekretär Kofi Annan zeigte sich in einer in New York verbreiteten Erklärung «entsetzt» über die terroristische Gewalttat. US-Außenministerin Condoleezza Rice erklärte, die Anschläge seien «eine traurige Erinnerung daran, dass Terrorismus keine Grenzen kennt und keine Religion respektiert». Bundeskanzler Gerhard Schröder bezeichnete die Anschläge als «barbarische Akte», die eine Menschenverachtung offenbarten, die nicht mehr zu überbieten sei. Auch Außenminister Joschka Fischer reagierte mit Bestürzung.

Am Sonntag öffneten in der indischen Hauptstadt die meisten Läden an den von den Anschlägen betroffenen Märkten wieder. Am Dienstag wird in Indien Diwali - das Lichterfest - gefeiert, eines der populärsten Hindu-Feste. Später in der Woche feiern die Muslime Eid-ul-Fitr, das Ende des Fastenmonats Ramadan. Am letzten Samstag vor Diwali und Eid-ul-Fitr waren zehntausende Menschen in der 14-Millionen-Metropole Neu Delhi unterwegs, um Geschenke zu kaufen. (tso/dpa)

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