Delmenhorst : Statt der Neonazis kommt der Abrissbagger

Das umkämpfte Delmenhorster "Hotel am Stadtpark" soll verschwinden – die Brachfläche bringt Geld.

Eckhard Stengel

BremenMonatelang haben sich Bürger und Politiker einer ganzen Region erfolgreich dafür eingesetzt, dass das „Hotel am Stadtpark“ in Delmenhorst nicht in die Hände von Neonazis gerät – und nun soll das Streitobjekt einfach abgerissen werden. So hat es jetzt das Stadtparlament mit großer Mehrheit auf einer Sondersitzung beschlossen. Nur zwei Ratsmitglieder stimmten gegen die Radikallösung.

Selten hatte eine Herberge so viel bundesweite Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie das seit Jahren leer stehende Pleiteobjekt in der alten niedersächsischen Arbeiterstadt bei Bremen. Der verschuldete Besitzer wollte es an den Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger verkaufen. Doch nach einer beispiellosen Spendenaktion, die fast eine Million Euro einspielte, konnte auch die verschuldete Stadt mitbieten: Ihre kommunale Wohnungsgesellschaft schnappte dem Rechtsextremisten die zentral gelegene Immobilie Ende 2006 für überteuerte drei Millionen Euro vor der Nase weg. Hinterher ließ sich der Preis noch etwas drücken, so dass die Delmenhorster ihr antifaschistisches Engagement letztlich mit 2,4 Millionen Euro bezahlten – immer noch ein stolzer Preis, verglichen mit dem wesentlich geringeren Verkehrswert.

Anderthalb Jahre lang stand das heruntergekommene 200-Betten-Haus seitdem leer und verursachte nur noch Kosten: für die Kaufkreditzinsen, für den Unterhalt und für eine internationale Investorenausschreibung. Doch deren Ergebnis war mau: Nur die Arbeiterwohlfahrt hatte Interesse. Und deren Plan, das Hotel in eine Seniorenwohnanlage umzubauen, fand bei der Ratsmehrheit keine Gnade. Denn für die Stadt wäre das Konzept wohl mit laufenden Kosten verbunden gewesen. Wochenlang ging die Lösungssuche weiter, bis plötzlich Oberbürgermeister Patrick de La Lanne (SPD) zum Befreiungsschlag ausholte: Er riet dazu, das Hotel samt benachbarter Delmehalle 2009 einfach abzureißen. Denn eine Brachfläche hätte bessere Chancen, Investoren anzulocken als ein sanierungsbedürftiger Klotz aus den 70er Jahren, zumal gleich das ganze Stadtviertel neu verplant werden soll.

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