Politik : Dem Sieg geopfert

Obamas Verwandte in Kenia schlachteten für den großen Tag eine Kuh

Es ist eine Prozession, immer mehr Menschen kommen, fast alle gehören zur Familie. Sie kommen nach Kogelo, in das verschlafene Nest im Westen Kenias, wo der Vater von Barack Obama geboren wurde und heute noch dessen Mutter wohnt. Sie tragen bunte Kleider, Ohrringe, Armbänder, riesige Ketten. Wahltag in Amerika ist hier Festtag.

Auma, die Schwester des Vaters, Tante also des hier ersehnten neuen Präsidenten der USA, eine quirlige Frau mit Falten und Nasenring, ist sehr aufgeregt. Auf ihrem Gewand prangt ein Button „Women for Obama 2004“. Andere sind aktueller, tragen auf wogenden Busen „Obama 08“-Buttons.

Obamas Oma, die alle Mama Sarah nennen, ist 86 und wird von Polizei und einer Enkelin von Besuchern abgeschirmt. Nur wer zur Familie gehört, kann durch das grüne Gartentor ins Anwesen, zu Mama Sarah. Unter einem Baum am Tor sitzen mal zwei, mal drei bewaffnete Polizisten auf Plastikstühlen. Auf dem Gelände sind sie in Mannschaftsstärke.

Abends wird der Trubel im kenianischen Nichts gespenstisch. Das Dorf liegt im Dunkeln, Glühwürmchen blinken, die Sichel des Mondes liegt auf dem Rücken, vom Viktoriasee zuckt Wetterleuchten. Auf Omas Gelände flackern Taschenlampen in Zelten, schallen laute Männerstimmen. Die Polizisten weisen Besucher und Journalisten aus Amerika, Afrika und Europa ab, die nach Kogelo gekommen sind. Der Sender NBC hat neben dem Maisfeld seine Sendeausrüstung aufgestellt. Immer wieder wird eine Pressekonferenz angekündigt – und verschoben.

Die Familienmitglieder haben in der Früh schon eine Kuh geschlachtet, an diesem Tag darf es nicht nur eine Ziege sein. Auf einer Bastmatte hinter dem Haus wurde das Tier zerlegt, in großen Töpfen zur Freiluftküche geschleppt, wo es auf dem Grill garen soll. Im Hintergrund immer die Polizisten, die in der Hitze längst ihre Mützen abgenommen haben. Auch ihr Chef, Johnston Ipara, ist gekommen, den großen Einsatz im kleinen Dorf zu besichtigen. In vollem Ornat macht er die Runde bei Oma, den Verwandten, schüttelt jedem die Hand, inspiziert den Generator, der den Fernseher speist. Seit mittags läuft CNN, ein verschneites Bild, aber der Ton stimmt. Später wollen sie noch ein Zelt aufstellen, in der Ferne ziehen Gewitterwolken auf.

Schon nachmittags tanzten und sangen die Bewohner Kogelos auf dem Parkplatz vor der lokalen Ambulanz. Zwei Prediger heizten der Menge ein, sie beteten, dass einer von ihnen der neue Präsident der USA sein wird. Ein paar hundert Meter weiter hatten sie schon eine Siegesfeier vorbereitet: In der Senator Obama Secondary School wollten sie den Namenspatron hochleben lassen, nachdem die Schüler am Morgen noch Prüfungen schreiben mussten.

Auch ndere waren um die Zeit auf dem Weg nach Kogelo. Große Autos rollten die rote Piste entlang, darunter viele Baumaschinen, sie machen aus der hoppeligen Dorfroute eine glatte Straße. „Es war ein hektisches Jahr“, sagt Bobby, der Erstgeborene von Barack Obama Sr.. „Aber wir haben uns an den Besuch gewöhnt.“ Mit der neuen Straße könnten dann auch Touristen kommen, sagt er. Für Kogelo ist die Wahl so oder so ein Gewinn.

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