Politik : Demjanjuk-Anwalt klagt gegen Deutschland

Washington - Im Kampf gegen seine Ausweisung aus den USA nach Deutschland hat der frühere KZ-Aufseher John Demjanjuk vor Gericht erneut eine Niederlage erlitten. Ein Berufungsgericht in Cincinnati im Bundesstaat Ohio wies am Freitag seinen Antrag ab, das Ausweisungsverfahren zu stoppen, und machte damit den Weg für eine Überstellung Demjanjuks nach Deutschland frei.

Dessen Verteidiger erwogen den Weg zum Obersten Gericht in Washington. Demjanjuks Anwälte hatten geltend gemacht, dass der Transport des 89-Jährigen nach Deutschland und ein Strafprozess angesichts des Gesundheitszustands ihres Mandanten der Folter gleichkäme und deswegen illegal wäre. In ihrem Urteil wiesen die Richter dies zurück. Demjanjuk und seine Anwälte seien den Beweis schuldig geblieben, dass ihm durch die Überstellung nach Deutschland Folter drohe. „Er hat allenfalls Spekulationen vorgelegt, dass sich die deutschen Behörden möglicherweise nicht angemessen um seine medizinischen Bedürfnisse kümmern“, heißt es in dem Urteil.

Demjanjuks Sohn John Demjanjuk Jr kritisierte den Richterspruch als „unmenschlich“. Unterdessen hat ein deutscher Anwalt seines Vaters vor dem Verwaltungsgericht Berlin Klage gegen die Bundesregierung eingereicht, um die Auslieferung zu verhindern. Der 89-Jährige sei „schwer krank“, heißt es in der Klage. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, forderte ein rasches Gerichtsverfahren. „Dass sich seine Abschiebung derart verzögert, ist unbegreiflich“, sagte Knobloch. dpa/AFP

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