Demografie : Im Land der Kinderlosen

Die Bevölkerungsstatistik zeigt den Trend auf: Immer mehr Frauen in Deutschland verzichten auf Nachwuchs.

Marc Mudrak
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Berlin - Immer weniger Frauen in Deutschland bekommen immer weniger Kinder. Das geht aus dem Mikrozensusbericht zur Kinderlosigkeit hervor, den das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Berlin vorstellte. Demnach haben 21 Prozent der 40- bis 44-Jährigen keine Kinder zur Welt gebracht, sagte der Präsident des Bundesamtes, Roderich Egeler. Dagegen seien unter den zehn Jahre älteren Frauen nur 16 Prozent und unter den zwanzig Jahre älteren Frauen 12 Prozent ohne Nachwuchs geblieben.

In der Kinderlosigkeit erkennt Egeler den Hauptgrund für den demografischen Wandel. Gleichzeitig geht auch die durchschnittliche Anzahl der Kinder pro Frau zurück. Weniger als zehn Prozent der Mütter zwischen 25 und 29 Jahren haben mehr als zwei Kinder auf die Welt gebracht. Bei den über 70-Jährigen waren es noch 40 Prozent. „Das wird Auswirkungen auf die nächsten Jahrzehnte haben, vor allem im sozialen Bereich“, sagte Egeler.

Der Mikrozensus zeigt außerdem, dass Frauen mit Migrationshintergrund seltener kinderlos sind. Nur 13 Prozent der Altersgruppe zwischen 35 und 44 Jahren bekam keine Kinder. 25 Prozent sind es hingegen bei gleichaltrigen Frauen ohne Migrationshintergrund. „Ob sich diese Differenz noch verringert, bleibt abzuwarten“, sagte Egeler. Gleichzeitig bekommen Frauen mit Migrationserfahrung auch mehr Kinder. Sie stellen heute etwa 30 Prozent aller Mütter in Deutschland.

Unterschiede bei der Kinderlosigkeit gibt es auch zwischen Ost- und Westdeutschen. Bei den 40- bis 44-jährigen Frauen bekamen in den neuen Ländern nur elf Prozent keinen Nachwuchs, in den alten Ländern sind es doppelt so viele. Zudem lassen sich Familie und Beruf im Osten leichter vereinbaren. Als Grund dafür gelten die besseren Betreuungsangebote, von denen vor allem Akademikerinnen profitieren. In Ostdeutschland verzichteten nur neun Prozent der über 40-Jährigen mit hoher Bildung auf Nachwuchs, während es im Westen 26 Prozent sind.

Wie es scheint, haben auch die Anstrengungen von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) nicht vermocht, mehr Frauen zum Kinderkriegen zu ermutigen. „Die Zahlen dokumentieren, dass die Politik der vergangenen Jahrzehnte zu zögerlich auf sich ändernde Lebensverhältnisse reagiert hat“, gab Leyen zu. Sie hält die finanzielle Unterstützung der Eltern sowie den Ausbau der Kinderbetreuung für alternativlos.

Trotzdem will das Familienministerium nicht mehr Krippenplätze fördern als angekündigt. Durch die neuen Tarifabschlüsse und die Wirtschaftskrise ist in vielen Kommunen die Erhöhung der Kitaplätze finanziell infrage gestellt worden. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) forderte deshalb eine schnelle Verbesserung der Kinderbetreuung. Denn die sei „in einigen Regionen immer noch katastrophal“, sagte Scholz der Nachrichtenagentur epd.

Für die Studie hatte das Statistische Bundesamt Frauen im Alter zwischen 16 und 75 Jahren befragt. „Für vor 1959 geborene Frauen, die 2008 älter als 50 Jahre waren, gilt die endgültige durchschnittliche Kinderzahl als erreicht“, erklärte Egeler. Vor allem die Daten der unter 35-Jährigen zeigen demnach nur eine Tendenz.

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