Demografischer Wandel : Prognose: Bis 2025 doppelt so viele Alte in Deutschland

Deutschland altert rapide: Der Anteil hochbetagter über 80-Jähriger wird sich einer aktuellen Prognose zufolge verdoppeln. Viele deutsche Städte müssen sich auf einen erheblichen Wandel einstellen - vor allem Kommunen in Ostdeutschland sind betroffen.

Senioren
Demografischer Wandel: Der Anteil der Senioren wird in Zukunft weiter stark zunehmen. -Foto: dpa

GüterslohBis 2025 steigt die Zahl der über 80-Jährigen nach einer neuen Bevölkerungsprognose um 70 Prozent. Damit verdoppele sich der Anteil der Hochbetagten an der Gesamtbevölkerung nahezu - auf mehr als acht Prozent, teilte die Bertelsmann Stiftung am Montag in Gütersloh mit.

Während 2006 jeder zweite Bundesbürger jünger als 42 Jahre war, wird demnach bis 2025 die Hälfte der Bevölkerung älter als 47 Jahre sein, im Osten sogar älter als 53. Bundesweit lebten vor zwei Jahren 82,32 Millionen Menschen, 2025 sollen es noch 80,64 Millionen sein. Der von der Stiftung veröffentlichte "Wegweiser Kommune" erfasst mehr als 3000 Städte und Gemeinden in Deutschland mit mehr als 5000 Einwohnern.

Spitzenreiter beim Anteil alter Menschen über 80 werden der Stiftung zufolge ostdeutsche Städte wie Hoyerswerda (15,3 Prozent), Suhl (12,7 Prozent) und Dessau (12,1 Prozent) sein. Aber auch westdeutsche Städte wie Baden-Baden (10,8 Prozent) werden "ihr Gesicht verändern", urteilte die Stiftung. Die betroffenen Städte müssten rasch umsteuern und beispielsweise altengerechte Wohnungen bauen. "Unsere Analysen zeigen, dass sich das Leben und Zusammenleben in den Städten und Gemeinden durch den rasch fortschreitenden Alterungsprozess erheblich verändern wird", sagte Stiftungsvorstand Johannes Meier.

Nachwuchs für den Arbeitsmarkt fehlt

In der Wirtschaft werden die Belegschaften laut der Prognose immer älter. Die Gruppe der älteren potenziell Erwerbstätigen (45 bis 64 Jahre) nimmt bis 2025 um 1,4 Millionen Menschen zu, gleichzeitig sinkt die Zahl der Jüngeren (25 bis 44 Jahre) um 3,7 Millionen. Und auch die Zahl der 16- bis 24-Jährigen sinkt um rund zwei Millionen Menschen, daher fehlt Nachwuchs für den Arbeitsmarkt. Allein in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern bricht die Zahl junger Erwerbstätiger um die Hälfte ein. Deutlich sinken bis 2025 die Schülerzahlen, vor allem im Grundschulalter. Während beispielsweise Köln bis 2025 einen leichten Zuwachs von fünf Prozent erzielt, verliert der Kreis Höxter 27 Prozent der Kinder im Grundschulalter.

Immer stärker wird der Trend zum Umzug in die Stadt - mit regionalen Unterschieden: Im Osten verzeichnen Dresden (plus 8 Prozent), Potsdam (plus 7 Prozent) und Leipzig (plus 3,3 Prozent) Zuwächse, Chemnitz (minus 15 Prozent), Halle (minus 12 Prozent) und Rostock (minus 8,6 Prozent) schrumpfen. In Westdeutschland wachsen München (plus 11,7), Köln (plus 5,8) und Hamburg (plus 5,9), Hagen und Gelsenkirchen (beide minus 10) sowie Wolfsburg (minus 8,7) verlieren Einwohner. (jam/dpa)

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