• Demografischer Wandel verändert die Streitkräfte Rekrutenmangel gefährdet die Einsatzfähigkeit

Politik : Demografischer Wandel verändert die Streitkräfte Rekrutenmangel gefährdet die Einsatzfähigkeit

Michael Schmidt

Berlin - Gefährdet der demografische Wandel die Sicherheit? Die Bevölkerungsentwicklung mit immer weniger Kindern und immer mehr alten Menschen birgt für die Polizei und Streitkräfte der Zukunft tatsächlich große Herausforderungen, sagte Hans Hermann Paape vom Bundesverteidigungsministerium am Donnerstag auf einer Konferenz zu Demografie und Sicherheit in Berlin. Während die Bundesregierung eine aktive Rolle in der Sicherheits- und Außenpolitik anstrebe, müsse die Bundeswehr ihren Nachwuchs aus einem stetig sinkenden Angebot an jungem Personal rekrutieren. „Wir stehen vor einem Dilemma und müssen uns intensiv Gedanken machen, um die Einsatzfähigkeit unserer Streitkräfte zu gewährleisten“, sagte der Oberst.

Die personelle Bedarfsdeckung der Bundeswehr sei das „Grundproblem“ der nächsten Jahre, sagte Paape. Es gebe einen politischen Willen, der sich in einem Auftrag manifestiere: Demzufolge muss, so Paape, die Bundeswehr Soldaten bereitstellen zum Schutz und zur Verteidigung des Landes, für die schnelle Eingreiftruppe Nato Response Force, UN-Kräfte, Stabilisierungseinsätze sowie Rettungs- und Evakuierungsoperationen. Der Gesamtbedarf liegt bei 250 000 Soldaten, der jährliche Personalergänzungsbedarf bei 70 700 Soldaten. „Noch übersteigt das Bewerberaufkommen unseren Bedarf“, sagte Paape. Die Probleme der Nachwuchsrekrutierung unter den Bedingungen des demografischen Wandels seien aber weniger eine Frage der Quantität als der Qualität: „Die Wettbewerbssituation wird sich umkehren“, sagte Paape voraus. In Zukunft werde sich die Bundeswehr nicht die Besten aussuchen können, sondern die Qualifizierten sich ihren Arbeitsplatz. „Wenn wir die Konkurrenz um die klügsten Köpfe für uns entscheiden wollen, müssen wir Berufsbilder entwerfen, die für junge Menschen attraktiv und erstrebenswert sind“, sagte Paape. Zumal die Wirtschaft immer mehr Gehalt werde zahlen können als die Streitkräfte. In einem Land, in dem die Geburtenrate bei 1,3 Kindern pro Frau liege, sei kaum eine Familie bereit, ihr Kind in einen risikobehafteten Beruf zu geben.

Die Bundeswehr müsse sich daher überlegen: Wie können wir die Leute so ausbilden, dass sie für unsere Zwecke zu gebrauchen sind? Wie können wir die materielle Ausstattung technisch so aufwändig und gleichzeitig so leicht bedienbar machen, dass auch weniger gut Ausgebildete damit zurechtkommen? Wie können mehr Menschen mit Migrationshintergrund in die Streitkräfte integriert werden?

Wenn auch das Durchschnittsalter der Gesellschaft steige, so sollte das der Bundeswehr doch nicht steigen, sagte Paape. „Wir müssen das Wissen und die Expertise aller bewahren.“ Den „Einsatzopa“ werde es aber nicht geben: Dafür sei die Belastung in den Extremsituationen eines Auslandseinsatzes einfach zu hoch.“

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