Politik : „Demokratie ist kein Selbstläufer mit Garantie“

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Berlin - Die evangelische und die katholische Kirche haben zur aktiven Gestaltung der Demokratie aufgerufen. Bei der Vorstellung der gemeinsamen Erklärung „Demokratie braucht Tugenden“ sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, wenn 51 Prozent der Deutschen sich unzufrieden mit dem demokratischen Alltag zeigten, scheine „die Sorge nicht unbegründet, dass die noch ungelösten Probleme das System unserer Demokratie insgesamt in Frage stellen könnten“. Die gemeinsame Erklärung formuliert sogenannte Handlungserwartungen an Bürger und Wähler, Politiker, Journalisten und an die Interessenverbände (siehe Tagesspiegel vom 23.11.2006). Die in der Schrift geforderten Tugenden – etwa Wahrhaftigkeit oder Dienst am Gemeinwohl – definierte der Trierer Bischof Reinhard Marx als „verlässliche Haltungen, die wir in einer Demokratie voneinander erwarten können“. Sie seien „sehr stark von einer Vernunftethik geprägt, die auch von Menschen geteilt wird, die nicht glauben.“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Berlins Bischof Wolfgang Huber, sagte, vieles im Papier scheine selbstverständlich. „Aber wir wissen haargenau: Es ist nicht selbstverständlich.“ Demokratie sei kein Selbstläufer mit Erfolgsgarantie, der kein Engagement brauche. Er gestand auch das Versagen der Kirchen vor 1945 ein: Nicht immer hätten sie die Zusammengehörigkeit von Glauben und Demokratie so klar gesehen. Demokratie müsse man verteidigen. Es habe Situationen gegeben, „wo wir es daran haben fehlen lassen.“ade

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