Politik : Demut wirkt

Jürgen Möllemann steht der Düsseldorfer FDP-Landtagsfraktion Rede und Antwort – und ist ungewohnt leise

Jürgen Zurheide[Düsseldorf]

Jürgen Möllemann redet über seine Zukunft und spricht ungewohnt leise. „Weder möchte ich Landesvorsitzender werden“, beginnt er diese Passage seines Vortrages, „noch möchte ich Bundesvorsitzender werden". Dann hält er inne und sagt: „Ich habe die Achterbahn des Lebens kennen gelernt“. Als er das sagt, huscht der neue Fraktionschef Ingo Wolf an ihm vorbei und schlüpft wieder durch die Tür, hinter der die anderen 22 Liberalen der Düsseldorfer Landtagsfraktion gerade diskutieren, wie sie mit dem Fall Möllemann umgehen sollen. Mehr als vier Stunden hatten sie Jürgen Möllemann angehört, ihm Fragen gestellt.

Morgens war er durch das Hauptportal des Landtags geschritten, hatte, was seine Gesichtszüge verrieten, Genugtuung empfunden, dass dort mindestens zehn Kameras und mehrere Dutzend Journalisten auf ihn warteten. Natürlich hätte er den Garageneingang und anschließend den Aufzug benutzen können, der ihn vor die Fraktion gebracht hätte. Doch Jürgen W. Möllemann will nach mehr als viermonatiger Abwesenheit das Gefühl auskosten, gefragt zu sein.

Die Fraktion wird später hinter verschlossenen Türen über den Antrag auf Ausschluss aus der Fraktion beraten, den die neue Führung eingebracht hat, und für wenige Minuten erlaubt man der Presse, die üblichen Bilder zu schießen. So fällt schnell auf, dass sich Jürgen Möllemann, der alten Gewohnheit folgend, wieder auf den Stuhl des Vorsitzenden gesetzt hat und Ingo Wolf mit gesenktem Haupt zu seiner rechten Platz nehmen musste.

Hinterher wird Wolf als erster reden. „Wir hatten intensiv Gelegenheit, uns auszutauschen, es herrschte eine ruhige, gelassene Atmosphäre“, wird er nach den vier Stunden verkünden und dann noch hinzufügen, dass die Entscheidung erst in zwei Wochen fallen soll. Obwohl er vor einigen Wochen das Verfahren gegen Möllemann eingeleitet hat, wirkt er wenig nachdrücklich, als er immer wieder gefragt wird, wie er sich denn entscheiden werde. „Ich halte es nicht für angemessen, hier Vorfestlegungen zu treffen“, heißt das in der Sprache von Wolf.

Im Übrigen, darauf weist er ausdrücklich hin, habe sich das Klima der Anhörung „sehr kollegial“ dargestellt. Dass er beschädigt sein könnte, wenn ihm der Ausschluss Möllemanns nicht gelingen sollte, bestreitet Wolf: „Wir werden damit leben, wie auch immer die Entscheidung fällt“.

Natürlich wusste Möllemann längst, dass sich Wolf so vorsichtig geäußert hatte, als er anschließend vor die Presse tritt. Auch er lobt die Atmosphäre, versucht sich als Diplomat: „Das war ernsthaft, nachdenklich“. Natürlich wolle er die Zusammenarbeit fortsetzen, was schon deshalb leichter falle, weil dort viele sitzen, die wissen, wem sie ihr Mandat verdanken. So ist denn auch zu erklären, warum sich die Fraktionsspitze – anders als in Berlin – nicht mehr offensiv für einen Ausschluss verwendet. „Ich fand das wohltuend“, kommentiert Jürgen Möllemann am Ende und fügt noch hinzu, was er bereits oft gesagt hat: „Ich möchte die Zusammenarbeit fortsetzen“. Wird er das? Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hat unterdessen ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen Möllemann eingeleitet. Es gebe den Anfangsverdacht, dass auch in den Jahren 1996 bis 1998 und im Jahr 2001 im FDP-Landesverband Spenden gestückelt worden seien, um ihre Herkunft zu verschleiern, sagte der stellvertretende Behördenleiter Josef Wassen.

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