Politik : Den Geldmarkt steuern - Was passiert, wenn die Leitzinsen erhöht werden

Martina Ohm

Die Leitzinsen sind das wichtigste Steuerungsinstrument der Europäischen Zentralbank (EZB). Mit jeder Veränderung der Leitzinsen nimmt die EZB als oberste Währungsbehörde der elf Euro-Mitgliedsländer Einfluss auf den kurzfristig orientierten Geldmarkt. Gemäß ihrem obersten Auftrag, eine dauerhafte Preisstabilität zu gewährleisten, kann sie die Zinsen erhöhen oder senken. Wenn die wirtschaftliche Entwicklung - wie zurzeit - mit deutlicheren Preissteigerungsraten, also Inflationsgefahren, einhergeht, ziehen die Währungshüter eine Zinserhöhung in Erwägung. Eine aktive Wechselkurspolitik betreibt die EZB nicht. Der Wechselkurs ist vielmehr nur Spiegelbild von Angebot und Nachfrage der Händler an den Devisenmärkten.

Die Notenbanker haben auch einen gewissen Ermessensspielraum. Denn die Währungshüter müssen immer die gesamtwirtschaftlichen Folgewirkungen einer Leitzinsveränderung im Auge behalten. Im Volksmund heißt es: Höhere Leitzinsen sind Gift für die Aktienmärkte und die Wirtschaft. Für die Börse, weil die Dividendenpapiere gegenüber den so genannten Festverzinslichen an Attraktivität verlieren. Für die Wirtschaft, weil höhere Zinsen die Kreditkosten verteuern. Denn die Geschäftsbanken geben die höheren Zinsen, die die EZB für die Liquidität der Institute verlangt, an ihre Kundschaft weiter. Dabei können sich die Banken einen Vorteil verschaffen, indem sie die Zinsen für Kredite schneller verteuern, als die Zinsen auf diverse Einlagen. Grundsätzlich gilt: Wer Geld anlegt, bekommt mehr, und wer Geld aufnimmt, muss auch mehr dafür bezahlen. Für die zahlreichen Anschaffungen im Alltag, für Wohnung, Haus oder Auto muss durchweg mehr bezahlt werden, wenn die Zinsen steigen. Tendenziell können höhere Zinsen einer Währung aber auch den Rücken stärken. Die Gemeinschaftswährung kann für die Anleger unter Renditegesichtspunkten interessanter werden. Eine solche Entwicklung wäre am Ende auch gut für Geschäftsleute und Individualtouristen, die zurzeit besonders unter dem schwachen Euro oder unter dem starken US-Dollar leiden.

Wie sich die jeweiligen Zinserhöhungen tatsächlich an den Märkten auswirken, kann im voraus nicht punktgenau vorausgesagt werden. In aller Regel sind die Schritte der Notenbanken heute schon in den Notierungen an den Märkten vorweggenommen - oder, wie man sagt, eingepreist. Das war auch jetzt der Fall: Nach der Zinserhöhung vom Donnerstag gingen die Händler sofort zum Tagesgeschäft über.

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