Den Haag : Sondertribunal sucht Mörder Hariris

Vier Jahre nach der Ermordung des früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri nimmt am Sonntag das Sondertribunal in der Nähe von Den Haag seine Arbeit auf. Hariri war im Februar 2005 bei einem Autobombenanschlag in Beirut getötet worden.

Den HaagDas Sondertribunal zur Aufklärung des Mordes an dem früheren libanesischen Regierungschef Rafik Hariri wird nach Ansicht von Ministerpräsident Fuad Siniora "eine neue Ära der Gerechtigkeit" im Libanon einläuten. Die Verhandlungen werden dafür sorgen, dass "die Straflosigkeit im Libanon ein Ende finden wird", sagte Siniora. Das Sondertribunal soll an diesem Sonntag in der Nähe von Den Haag in den Niederlanden seine Arbeit aufnehmen. Hariri war am 14. Februar 2005 bei einem Bombenattentat in Beirut getötet worden. Mit ihm starben 22 weitere Menschen.

Hauptverdächtige sollen Verbindungen nach Syrien haben

Anhänger des anti-syrischen Politikers werfen der einstigen Ordnungsmacht Syrien vor, hinter dem Anschlag zu stecken. Syrien, das sich 2005 aus dem Libanon zurückzog, wies Vorwürfe dieser Art stets zurück. "Wir fordern die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit", sagte Siniora. Bei den vier Hauptverdächtigen handelt es sich um libanesische Generäle, darunter die früheren Chefs der Präsidentengarde und des Militärgeheimdienstes. Den Generälen werden enge Verbindungen nach Syrien nachgesagt.

Die Schaffung des Tribunals habe viel Engagement seitens des Libanon erfordert, sagte Siniora. In den vergangenen Jahren habe die libanesische Regierung dafür eng mit den Vereinten Nationen sowie mit einflussreichen westlichen Politikern, wie etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), zusammengearbeitet.

Das UN-Tribunal demonstriere nun einen Wendepunkt für den Libanon und werde politischen Morden in dem Land ein Ende setzen. "Der Libanon kann nicht noch mehr politische Attentate in Kauf nehmen, ohne dass die Täter bestraft werden", betonte der Ministerpräsident. Das Land blickt auf eine Vielzahl politischer Morde zurück. 1982 fiel der zum Präsidenten gewählte Beschir Gemayel vor Beginn seiner Amtszeit einem Attentat zum Opfer, 1989 Präsident René Muawad nach nur 17 Tagen im Amt. Auch zahlreiche Zivilisten kamen ums Leben. "Das libanesische Volk musste einen sehr hohen Preis zahlen, und es ist an der Zeit, derartige Taten zu stoppen." Fuad Siniora wurde nach Hariris Tod 2005 Ministerpräsident des Libanon. In Hariris Regierung war er Finanzminister. (sg/dpa)

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