Politik : "Den haben wir nicht bestellt"

toh/dpa

"Verantwortung und Vertrauen. Politik für unser Land." So steht es auf dem großen Foto, das Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Vize-Kanzler Joschka Fischer (Grüne) Seit an Seit porträtiert. Vor dem Großplakat am Spreeufer verbreiten SPD-Generalsekretär Franz Müntefering und Grünen-Chef Fritz Kuhn munter, dass "das erfolgreiche Team" auch nach dem 22. September nicht ausgewechselt werden soll.

Wer hinter einer Gegenaktion zur Plakatvorführung am Spreeufer steckt, ist noch unklar. Ein als obdachloser Bettler verkleideter Schauspieler posiert für die Kameras, noch bevor Müntefering und Kuhn auftauchen. Die anwesenden Fotografen waren sich sicher, dass der Mann kein Bettler gewesen sein kann. Seine Hände seien zu sauber gewesen, sagt Michael Kappeler von der Nachrichtenagentur ddp. Einer seiner Kollegen ist sich sogar sicher, den Mann schon einmal auf einer Bühne gesehen zu haben. Er ist mit Pudelmütze und Papp-Transparent ausgestattet - "Einfach Pech gehabt" steht darauf. Die zerfledderte Einkaufstasche ist auf ein Rädergestell zum Hinterherziehen montiert.

Der Mann will seinen Auftraggeber - den er offenbar hat - nicht nennen. Nicht, ob es eine andere Partei ist oder ein Spaßvogel. Keine Auskünfte zu geben sei Teil seiner Vereinbarung, sagt er. "Den hatten wir nicht bestellt", stellt Franz Müntefering klar. Und ein anwesender CDU-Mann, der die Plakatvorstellung beobachtet: "Wir auch nicht."

Die FDP hat sich mächtig geärgert. Weil die Anzeige in der "Süddeutschen Zeitung" nicht als solche gekennzeichnet war, warf die FDP den Parteien einen Verstoß gegen das Pressegesetz vor. Der Bundestagsabgeordnete Hans- Joachim Otto forderte den Deutschen Presserat auf, den Vorgang zu prüfen.

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