Politik : Denkzettel aus der Provinz

Bei Frankreichs Regionalwahlen könnten die Extremen profitieren

Sabine Heimgärtner[Paris]

Nirgendwo in Europa machen die Bürger so ausgiebig von der Möglichkeit Gebrauch, Wahlen zum Protest umzumünzen wie in Frankreich: Entweder gehen die Franzosen nicht zur Wahl – oder sie wählen, wenn sie hingehen, extrem links oder rechts. Bei den Regionalwahlen an den kommenden Sonntagen wird sich dieses Phänomen wiederholen.

Schon jetzt sagen Umfragen voraus, knapp über die Hälfte der Wahlberechtigten würden sich erst gar nicht aufraffen, ihre Stimme abzugeben. 72 Prozent, heißt es zudem, könnten den Konservativen von Regierungschef Jean-Pierre Raffarin und Staatspräsident Jacques Chirac einen Denkzettel für ihr Reformprogramm und jüngste Korruptionsskandale verpassen. Es ist also nicht undenkbar, dass sich bei diesem wichtigsten Urnengang nach den Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2002 dasselbe Desaster wiederholt wie vor zwei Jahren: ein starkes Votum für die extremen Rechten des nationalistischen Jean-Marie Le Pen und ein ebenso hoher Stimmenanteil für trotzkistisch-kommunistische Splittergruppen, die in den 22 französischen Regionen mit gemeinsamen Listen antreten.

Für den ersten Popularitätstest der Regierung Raffarin in der Provinz interessiert sich in Frankreich fast niemand. Zwar tritt fast die Hälfte der Minister an, es fehlt also nicht an Prominenz. Bei den meisten hat es sich aber offenbar noch nicht herumgesprochen, dass die ähnlich den deutschen Bundesländern zugeschnittenen Regionen im Zuge der EU-Reformen immer mehr Macht erhalten.

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