Politik : Der Attentäter kam in Schuluniform Anschlag auf britischen Botschafter im Jemen

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Die beiden Fahrzeuge waren auf dem Weg zur hoch gesicherten britischen Botschaft, die im Osten der Hauptstadt Sanaa liegt. Plötzlich sprang ein junger Mann in beiger Schuluniform auf die Fahrbahn, wie Augenzeugen berichteten. Einen winzigen Moment zögerte der Attentäter, bevor er die Bombe an seinem Körper zündete. Die Wucht der Explosion verfehlte die gepanzerte Limousine des britischen Botschafters im Jemen – der 52-jährige Tim Torlot blieb unverletzt. Getroffen wurde das Begleitfahrzeug, zwei Polizisten seiner Eskorte und eine Passantin kamen mit leichten Wunden ins Krankenhaus – einzig der Attentäter starb.

Dieser Überraschungsangriff im morgendlichen Berufsverkehr zeigt, dass Al Qaida im Jemen auch nach den Razzien und Luftangriffen der letzten Zeit keineswegs besiegt ist. Die britische Botschaft bleibt die nächsten Tage geschlossen. Zuletzt hatten vor drei Monaten eine Reihe westlicher Vertretungen, darunter auch die deutschen und amerikanische, ihre Tore vorübergehend dicht gemacht, nachdem Fahnder Al-Qaida- Pläne für einen großen Überfall auf die britische Mission entdeckt hatten.

Seit 2000 ist Jemen immer wieder Schauplatz schwerer Terroranschläge – damals starben bei einem Angriff auf den amerikanischen Zerstörer „USS Cole“ im Hafen von Aden 17 Seeleute. Im September 2008 versuchten zwei Kommandos, in die US-Botschaft in Sanaa einzudringen – 16 Menschen starben, darunter alle sechs Attentäter. Im vorigen Dezember verhinderten Passagiere beim Anflug auf Detroit ein Attentat durch einen nigerianischen Sprachstudenten, der in Sanaa von Terrorwerbern präpariert worden war. Seitdem hat sich der internationale Druck auf das Land an der Spitze der arabischen Halbinsel stark erhöht, endlich konsequent gegen Al Qaida vorzugehen.

Nach außen zumindest gibt sich die Regierung in Sanaa kooperativ und zuversichtlich. „Al Qaida hat die emotionale Unterstützung der Bevölkerung weitgehend verloren. Die Menschen haben kapiert, dass Al Qaida nur Zerstörung bedeutet“, sagte Außenminister Abubaker Abdulla al Qirbi noch letzte Woche. Ähnlich äußerte sich auch Vizepremier Rashad al Alimi, der für die Sicherheit im Lande zuständig ist. Westliche Medienberichte nannte er „stark übertrieben“ und verwies darauf, dass sein Land inzwischen eine 200-köpfige Anti-Terror-Einheit aufgebaut habe, die von amerikanischen und britischen Ausbildern trainiert werde. Wie viele Terroristen sich im Land versteckt halten, wollte er nicht sagen. „Aber ich vergewissere ihnen, von Al Qaida geht keine Gefahr für Ausländer aus.“

Doch der Kampf gegen Terroristen gehört trotz aller offiziellen Rhetorik nicht zu den Prioritäten von Jemens Präsident Ali Abdullah Saleh. Seit über 30 Jahren an der Macht, braucht der ausgefuchste Staatschef die Gotteskrieger in seinem komplexen Machtspiel. Gegenüber dem Westen zieht er die Karte Al Qaida immer dann, wenn es gilt, Finanzhilfen anzumahnen. Im Bürgerkrieg gegen die Houthis im Norden dagegen heuerte er zuletzt hunderte Gotteskrieger als Söldner an, um sie vor den Linien der Regierungstruppen einzusetzen. Als Gegenleistung konnten sich Anfang März Teile der Al-Qaida-Führung ungehindert über den jemenitischen Hafen von Mukalla nach Somalia absetzen. Von dort aus wollen sie in nächster Zeit die Terrorzellen auf der arabischen Halbinsel steuern.

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