Politik : Der Augsburger Unionsfriede

Robert Birnbaum

Augsburg - Das G-Wort fällt nicht. Edmund Stoiber hat es schon eisern vermieden, als er dem CSU-Parteitag die Frau Bundeskanzlerin und „liebe Angela“ ankündigt – bloß von einer „schwierigen Phase großer Entscheidungen“ spricht er. Die liebe Angela Merkel hat es aber auch nicht in den Mund genommen, was bei einer gut einstündigen Rede schon eine reifere Leistung ist. „Gesundheitsreform“ heißt das Wort, das nicht vorkommt in der Augsburger Schwabenhalle. Dafür ein anderes gleich mehrfach, das auch mit G anfängt: „Nur gemeinsam, nur in Geschlossenheit können wir Erfolg haben, sonst nicht“, ruft Merkel den knapp 1000 CSU-Delegierten zu. Der Saal klatscht. Stoiber schluckt rasch seinen Kaffee runter, setzt die Tasse ab und klatscht mit.

Zwischen den Unionsschwestern ist geradezu schlagartig der Friede ausgebrochen. Nur sehr verklausuliert geht Merkel auf das Sperrfeuerwerk ein, mit dem die Bayern die Verhandlungen in der großen Koalition über die Gesundheitsreform begleitet hatten. Aus dem „Nein – aber“ müsse beim nächsten Mal ein „Ja – aber“ werden, weil das sonst bei den Menschen schlecht ankomme. Die Delegierten applaudieren auch hier, vielleicht, weil sie verstanden haben, dass sie weiterhin „aber“ sagen dürfen zur Politik aus Berlin, sofern sie es höflich tun.

Sie werden von da an noch viel applaudieren. Merkel hält eine durchaus CSU- kompatible Ansprache. Sie lobt ausführlich Michael Glos und Horst Seehofer, die christsozialen Minister in Berlin. Sie spricht viel von konservativen Werten, die die Grundlage bildeten für nachhaltige Politik. Sie spricht von der Verteidigung eigener Werte und des christlichen Menschenbilds. Sie plädiert energisch für das Elterngeld nebst Väterkomponente. Da schweigt der Saal, nur CSU-Vize Barbara Stamm klopft auf ihren Tisch. Aber das ist eine Schlacht von gestern.

Am Ende applaudiert der Saal stehend und minutenlang. Merkel, die schnell vom Podium herabgestiegen ist, muss ein paar Mal auf ihren Stuhl unten am Vorstandstisch neben Stoiber steigen, damit sie in den Saal winken kann. Dann muss sie weiter. Stoiber bringt sie zum Auto. „Ja, so“, sagt der CSU-Chef, „alles Gute!“ „Mach’s gut“, sagt die CDU-Chefin, „feiert schön heute Abend“. Auch in der CSU selbst ist der Friede schwer auf dem Vormarsch. Ganze drei Rebellen haben verlangt, dass Edmund Stoiber zur Landtagswahl 2008 nicht mehr antreten soll. Einer, der Ex-Minister Alfred Sauter, hat sogar einen Antrag gestellt, dass in Bayern der Ministerpräsident vom Volk direkt gewählt wird, aber höchstens zwei Amtsperioden bleiben darf. Das hat der Parteitag aber abgelehnt.

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