Politik : Der Balkan hofft auf deutsche Hilfe

Matthias Schlegel

Berlin - Die Feststellung von Altbundespräsident Johannes Rau, Deutschland habe eine Bringschuld gegenüber seinen europäischen Partnern, insbesondere auf dem Balkan, ist bei Politikern auf positives Echo gestoßen. Man könne dem „nur zustimmen“, sagte der SPD-Außenpolitiker Gernot Erler dem Tagesspiegel, zumal gerade auf dem Balkan der Schwur von 1945 „Nie wieder Krieg“ durchbrochen worden sei. Das erlege allen Europäern, aber eben auch den Deutschen, eine besondere Verpflichtung auf.

Rau hatte im Zusammenhang mit den Lehren aus dem 8. Mai 1945 dem Tagesspiegel am Sonntag gesagt, die Deutschen hätten „unseren europäischen Partnern gegenüber natürlich auch eine Bringschuld“. Das gelte derzeit am stärksten auf dem Balkan „und ist da am schwersten, denn der Konflikt dort ist längst noch nicht ausgestanden“.

Erler unterstrich zugleich, dass Deutschland mit der Präsenz von 3500 Soldaten dort bereits an vorderster Stelle stehe. Insofern werde Raus Forderung derzeit schon umgesetzt. Notwendig sei aber, „nachhaltige Verantwortung wahrzunehmen“ innerhalb des von Deutschland angeschobenen EU-Stabilitätspaktes und des Stabilisierungs- und Assoziierungsprozesses (SAP) der EU für den Westbalkan. Deutschland werde auf dem Balkan als „Vorbild und fairer Anwalt“ angesehen. Die Region könne etwa von den Erfahrungen bei der erfolgreichen Transformation in Ostdeutschland profitieren.

Der Sonderkoordinator des EU-Stabilitätspaktes für Südosteuropa, Erhard Busek, nannte die Äußerung Raus „richtig und ehrenwert“. Zwar leiste Deutschland bereits einen wichtigen Beitrag bei der Stabilisierung auf dem Balkan, sagte der österreichische ÖVP-Politiker. Doch könne das Land noch mehr für die notwendige Versöhnung zwischen den Nationalitäten tun. „Deutschland hat zum Beispiel sehr gute Erfahrungen im Aussöhnungsprozess mit Frankreich gemacht. So könnte es nach dem Vorbild des deutsch-französischen Jugendwerkes einen Jugendaustausch mit den Balkanstaaten organisieren“, sagte Busek dem Tagesspiegel.

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