Politik : Der Ball rollt – und Deutschland gewinnt

Millionen feiern den WM-Start / Klinsmann zufrieden: Es war ein toller Auftakt / Ballack gegen seinen Willen nicht im Team

-

Die deutsche Nationalmannschaft hat am Freitagabend in München das Eröffnungsspiel der Fußballweltmeisterschaft gewonnen. Auch ohne seinen verletzten Kapitän Michael Ballack besiegte das deutsche Team die Auswahl von Costa Rica 4:2 (2:1). Das erste Tor der Weltmeisterschaft vor 60 000 begeisterten Zuschauern schoss der Münchner Philipp Lahm in der 6. Spielminute. Weitere Tore erzielten Miroslav Klose, der wie der costa-ricanische Stürmer Paulo Wanchope zwei Mal traf, und Torsten Frings. Bundestrainer Jürgen Klinsmann sagte nach dem Spiel: „Wir sind froh, dass wir den ersten Dreier haben. Das Spiel war mit sechs Toren ein toller Auftakt für eine Fußball-WM.“ Das zweite Spiel am Freitag gewann die Nationalmannschaft von Ekuador überraschend gegen Polen mit 2:0.

Um 17 Uhr hatte Bundespräsident Horst Köhler das Turnier feierlich vor mehr als 59 400 Zuschauern in der ausverkauften WM-Arena in München eröffnet. In vielen deutschen Städten verfolgten Hunderttausende das Spiel auf Großleinwänden. Köhler sagte in seiner Ansprache: „Wir wünschen uns spannende Spiele, viele Tore und Fairplay. Möge der Fußball die Völker verbinden.“

Fifa-Präsident Joseph Blatter, der auf eine Rede verzichtete, wurde vom Publikum ausgepfiffen. Dem Tagesspiegel hatte er zuvor gesagt: „Die Stimmung in Deutschland ist großartig. In München und in den anderen Städten herrscht ausgelassene Freude.“ Der deutsche WM-Organisationschef Franz Beckenbauer, der 1974 den WM-Titel als Spieler und 1990 als Trainer gewonnen hatte, verzichtete auf Geheiß der Fifa ebenfalls auf eine Ansprache in seiner Heimatstadt. Nach dem Spiel sagte er: „Es war ein rundum gelungener Tag für mich“. In der halbstündigen Eröffnungsfeier hatte sich Deutschland mit einer Mischung aus bayerischen Volkstänzen, Klassik, Reggae und Hip Hop sowie dem WM-Song „Zeit, dass sich was dreht“ von Herbert Grönemeyer präsentiert. Zur WM-Eröffnung waren viele Prominente gekommen, unter ihnen Kanzlerin Angela Merkel, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees Jacques Rogge sowie 170 ehemalige Fußball-Weltmeister. Beim Eröffnungsspiel selbst trat die deutsche Mannschaft ohne ihren Kapitän Michael Ballack an, der an einer Wadenverletzung laboriert. „Ballack ist bei der Fifa als verletzt gemeldet“, sagte der Sprecher des Deutschen Fußball-Bundes, Harald Stenger. Vor dem Spiel hatte es Streit um den Einsatz gegeben. Ballack hatte erklärt, er fühle sich fit, wohingegen Klinsmann angekündigt hatte, ihn im ersten Spiel zu schonen.

Das Stadion in München und die Fanfeste in den Städten waren durch strenge Polizeikontrollen geschützt. „Die Sicherheitskräfte arbeiten präzise und sind trotzdem freundlich“, sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble dem Tagesspiegel. „So wichtig wie die Sicherheit ist eine fröhliche Stimmung, mit der sich Deutschland präsentiert.“ Während der WM arbeitet in Berlin ein Sicherheitszentrum, in dem Informationen aller Behörden zusammenfließen. Offenbar verlief der Auftakt der 18. Weltmeisterschaft der Fußballgeschichte weitgehend friedlich. Das Turnier wird in zwölf Städten ausgetragen und soll von mehr als drei Millionen Zuschauern in den Stadien und weltweit drei Milliarden Menschen vor den TV-Schirmen verfolgt werden. Das Finale findet am 9. Juli in Berlin statt.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben