Politik : Der beste Mann der Chefin

Der neue Bundesratspräsident Althaus teilt Merkels Positionen mehr als jeder andere Länderchef – beide verbindet ihre Herkunft und die Erfahrung der Kohl-CDU

Albert Funk

Wichtig ist das Amt eigentlich nicht, man leitet Sitzungen, gelegentlich vertritt man den Bundespräsidenten. Aber es kann dem nutzen, der bekannter werden will. Dieter Althaus, der als thüringischer Ministerpräsident am Freitag turnusgemäß zum neuen Bundesratspräsidenten gewählt wurde, wird es nutzen. Seit dem 5. Juni ist er Regierungschef in Erfurt, Nachfolger seines Förderers Bernhard Vogel. In der Riege der CDU-Ministerpräsidenten hat der 45-jährige Althaus schon seinen Platz gefunden: Er ist der, der die Positionen von Parteichefin Angela Merkel am deutlichsten vertritt. Gleichzeitig aber scheut er sich nicht, eigene Meinungen klar und auch bei Gegenwind zu äußern.

Beispiel Steuerreform: Das Vorziehen hat er von Beginn an gutgeheißen, auch Verschuldung fand er richtig, weil mehr Geld für die Bürger der Konjunktur diene. Das verfocht er auch, als Edmund Stoiber vorübergehend den Eindruck erweckte, auf Roland Kochs Ablehnungslinie eingeschwenkt zu sein. Beispiel Arbeitsmarkt: Ost-Interessen setzt er vor die Einheit in der Partei. Kochs Gegenmodell zum Entwurf der Regierung ist nicht das seine. Für die Verhandlungen im Vermittlungsausschuss ist er schon jetzt auf Konsens mit Rot-Grün gepolt. Ganz wie Merkel.

Die beiden verbindet die Herkunft. Althaus, Katholik aus dem Eichsfeld, gehörte nicht zu den Dissidenten in der DDR, aber auch nicht zu den Staatstragenden. Seit 1983 arbeitete er als Lehrer für Physik und Mathe, 1989 wurde er stellvertretender Schuldirektor. In der Umbruchphase war er Kreisschulrat in Heiligenstadt – für alles zuständig, kaum kontrolliert. Die Zeit muss ihm gefallen haben, er kommt gern darauf zu sprechen. 1992 wurde er Kultusminister, 1999 Fraktionschef. Seither war klar, dass Vogel auf ihn setzte.

Mit Merkel teilt er die Erfahrung, sich als Ostdeutscher in der fest gefügten Kohl- CDU zurechtfinden zu müssen. Beiden ist die Sozialisation in RCDS und Junger Union fremd. „Ich habe nicht mit 25 am offenen Fenster gesessen und auf den Ruf des Kanzlers gewartet“, sagt Althaus. Wie Merkel sieht er Politik unideologisch. „Wir leben in einem Zeitalter des neuen Pragmatismus.“ Das hat er nicht zuletzt Norbert Blüm zu verstehen gegeben. Büttenreden warf er dem Ex-Sozialminister vor, als der Merkels Sozialpolitik ablehnte. Die katholische Soziallehre, so Althaus, sei auf dem Stand der 70er Jahre geblieben. Dabei lehnt er sie nicht ab. „Es hilft aber nicht, Sozialromantik zu predigen.“ Solche Sätze mag auch Merkel. Deren jüngste Leitrede verteidigt er: „Es war keine neoliberale Rede, sondern eine, die in die Zeit passt.“

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