Politik : Der Bodyguard

Stefan Kapferer ist einer der Strippenzieher in der FDP – und der engste Vertraute von Philipp Rösler

von
Foto: promo
Foto: promo

Berlin - Am Abend des 18. September 2005, als die FDP bei den Bundestagswahlen fast zehn Prozent geholt hatte, aber nicht zum Regieren kam, saß Stefan Kapferer in einem Nebenraum der FDP-Zentrale und schwieg. Neben ihm redete Philipp Rösler über die Frage, ob es richtig oder falsch war, sich so eng an der Seite der Union vom Image der Spaßpartei emanzipieren zu wollen. Er redete auch über die Notwendigkeit der Liberalen, „sympathischer zu werden“. Auf Westerwelles Wahlkampf angesprochen, der schon 2005 klar auf Steuerreform und Steuersenkung ausgerichtet war, sagte Rösler: „Im Wahlkampf herrschen andere Regeln. Aber wir dürfen nicht die gesellschaftspolitischen Ansätze vernachlässigen. Toleranz, das Wissen um den Zusammenhalt einer Gesellschaft, müssen der FDP auch wichtig sein.“

Stefan Kapferer lächelte neben Rösler und ergänzte nur sehr zurückhaltend dessen Ausführungen. Wer Kapferer nicht kannte, hätte ihn für einen normalen Parteikollegen halten können, der zufällig an die Seite des noch unbekannten FDP- Fraktionschefs aus Hannover geraten war. Aber schon damals war Kapferer ein enger Wegbegleiter des jungen Rösler. Er half ihm, den Sprung auf das bundespolitische Parkett zu schaffen. Kapferers Tagwerk besteht darin, Netzwerke zu knüpfen, Strippen zu ziehen und Politik strategisch vorzubereiten. Während Rösler für die Tagespolitik manchmal einen Tick zu visionär nach vorn blickt, kann Kapferer Politik administrieren. Er ist quasi ein politischer Bodyguard und Röslers engster Vertrauter.

Kapferer, 45, studierter Verwaltungswissenschaftler, ist fast immer gut gelaunt und kann die Politik auch mit einer gewissen ironischen Distanz betrachten. Er kennt aber vor allem die Partei genau. Seit 1993 arbeitete Kapferer für den Landesverband Niedersachsen, von 1994 bis 1998 als Landesgeschäftsführer und Pressesprecher. 1999 wechselte Kapferer zur FDP-Bundestagsfraktion und leitete die Abteilung Strategie und Kampagnen in der FDP-Bundesgeschäftsstelle. Er gehörte auch zu den Leuten, die Guido Westerwelle um sich scharte, noch bevor er Parteichef wurde.

Als Schwarz-Gelb sich in Niedersachsen abzeichnete, wechselte Kapferer wieder nach Hannover, wurde von 2003 bis 2008 Abteilungsleiter der Niedersächsischen Staatskanzlei und damit Dienststellenleiter der Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund. In dieser Zeit wuchs der Einfluss von Philipp Rösler, er wurde Parteichef in Niedersachsen, später Wirtschaftsminister. Und als er 2009 Bundesgesundheitsminister wurde, nahm er Kapferer als beamteten Staatssekretär mit nach Berlin. Kapferer gilt in der Partei als „besonnen, klug und sympathisch“, er wisse auch, sagt ein FDP-Mann, „dass er im Zweifel seinem Boss die Meinung sagen muss“.

Vorerst wird Kapferer in seinem Amt bleiben, es komme eben, sagt er, „nur mehr Arbeit“ auf ihn zu. Bisher hat der Westerwelle-Vertraute Martin Biesel aus dem Auswärtigen Amt heraus die Regierungsgeschäfte und die Absprachen mit der Union vorbereitet. Kapferer wird in Absprache mit Biesel, beide kennen sich gut, einen Teil dieser Aufgaben mitübernehmen müssen. Außerdem wird er eine einheitliche FDP-Linie in der Regierungspolitik organisieren müssen. Rösler hat ja betont, er werde als Vizekanzler den Kurs der FDP-Minister mitbestimmen.

Wenn Kapferer mal nicht arbeitet, ist er bei seiner Familie und schaut einem seiner Kinder beim Fußballspielen bei Hertha 03 Zehlendorf zu. Und wenn Philipp Rösler sich an späten Abenden im Gesundheitsministerium ohne seine Familie zu einsam fühlt, dann übernachtet er schon mal in Kapferers Haus.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben