• Der Bosnienbeauftragte Bodo Hombach lässt vorerst alle SPD-Parteiämter ruhen - Franz Müntefering spricht von einem "honorigen Schritt"

Politik : Der Bosnienbeauftragte Bodo Hombach lässt vorerst alle SPD-Parteiämter ruhen - Franz Müntefering spricht von einem "honorigen Schritt"

Jürgen Zurheide

Franz Müntefering sagte nur einen Satz. "Das ist ein honoriger Schritt", antwortete er, als er davon hörte, dass Bodo Hombach seine Parteiämter an Rhein und Ruhr vorerst ruhen lässt. Müntefering hatte sich mit Stellungnahmen zum Fall Hombach zurückgehalten, seit er in der vergangenen Woche eigene Untersuchungen durch die Kontrollkomission der SPD angekündigt hatte. Hinter den Kulissen waren die Genossen an Rhein und Ruhr allerdings aufgeschreckt. Im Kommunalwahlkampf weht ihnen angesichts der miserablen Bundesstimmung der Wind ins Gesicht, da brauchten sie nicht noch hausgemachten Ärger. Das Thema sorgte zwar weniger im Straßenwahlkampf für Missstimmung, aber unter den Genossen regte sich heftiger Widerstand, wenn der Name Hombach fiel.

In etlichen Unterbezirken an Rhein und Ruhr hatten sich die jeweiligen Vorsitzenden öffentlich von Hombach abgesetzt und seinen Rückzug eingefordert. Das rief nun den Vorsitzenden des mächtigen SPD-Bezirkes mit rund 70 000 Mitgliedern auf den Plan. Detlev Samland steht, nachdem er sein Mandat im europäischen Parlament aufgegeben hat, im Essener Kommunalwahlkampf und will Oberbürgermeister der Revierstadt werden. Der Druck war so groß geworden, dass Samland öffentlich darüber nachgedacht hat, ob man Hombach nicht auffordern soll, seine Ämter in der Partei ruhen zu lassen. Immerhin ist Hombach sein Stellvertreter im Bezirk, gleichzeitig fungiert der ehemalige Kanzleramtsminister ebenfalls als Stellvertreter im Unterbezirk seiner Heimatstadt Mülheim.

Als Hombach spürte, dass er mit einer öffentlichen Aufforderung zum Rücktritt rechnen musste, lenkte er ein. Freitag früh war er in Schweden unterwegs, wo er Details für die Balkan-Hilfe verhandeln musste. Zwischendurch hielt er immer wieder telefonischen Kontakt mit der Heimat, und nach einer kurzen Bedenkzeit willigte er ein. "Ja, ich stelle meine Parteiämter vorübergehend zur Verfügung", rief er Detlev Samland zu. "Ich will nicht, dass ein Schatten auf die Partei fällt", begründete Hombach seinen Schritt.

Natürlich beteuerte er noch einmal seine Unschuld und ließ auch keinen Zweifel daran, dass er die anstehenden Untersuchungen durch die Parteigremien und die Wirtschaftsprüfer nach Kräften unterstützen wird. Dem europäischen Parlament wird er ebenfalls in dieser Sache Rede und Antwort stehen, das hatte er schon am Donnerstag mit dem CDU-Mann Elmar Brok vereinbart. "Auch da werde ich meine Unschuld beweisen", zeigte sich Hombach selbstbewusst. Dass er sein europäisches Amt behält, ist für ihn kein Widerspruch: "Diese Aufgabe darf nicht verzögert werden, und schon gar nicht durch innenpolitische Schaugefechte."

Die Genossen an Rhein und Ruhr atmeten wie Franz Müntefering auf, als sie von Hombachs Schritt hörten. Die Stimmung stieg allerdings nur mäßig, denn auf den Straßen werden die Sozialdemokraten vor allem auf Klaus Heugel angesprochen, also den Kölner Kandidaten, der Insider-Geschäfte an der Börse zugegeben hatte. Hinter vorgehaltener Hand sagen die Genossen längst, dass Heugel aus dem Verkehr gezogen werden muss. Offen sprechen das bisher neben der CDU nur die Grünen aus. "Der Mann muss seine Ansprüche aufgeben", verlangte der grüne Fraktionschef Roland Appel in Düsseldorf, wo schon Wetten laufen, dass es genauso kommen wird.

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