Politik : Der Botschafter wird Anwalt

Sebastian Bickerich

Berlin - Es war vor allem der Blick nach vorn, den US-Botschafter Dan Coats zum Abschied seiner Dienstzeit in Berlin in den Vordergrund rückte. Die Zukunft der transatlantischen Beziehungen („sie verbessern sich dramatisch“), die Zukunft der neuen US-Botschaft am Brandenburger Tor (wird im Frühjahr 2008 eröffnet), die persönliche Zukunft des Politprofis in Washington (er geht als Jurist in eine Anwaltskanzlei) – alles positive Themen, und Optimismus gehörte schon immer zum Grundrepertoire des Botschafters.

Sein Blick in die Vergangenheit und die Bilanz seiner dreieinhalb Jahre als Botschafter fielen im Gegensatz dazu kürzer aus. Coats, der am Sonntag mit seiner Frau Marsha zurück in die USA fliegt, sprach in seiner letzten Begegnung mit der deutschen Presse von „Highs und Lows“. Zu den Höhen seiner Amtszeit zähle die „unglaubliche Reaktion“ der Deutschen auf den 11. September, die mit Blumen, Kerzen und Teddybären ihre Solidarität mit den USA demonstrierten. Und auch wenn der Irakkrieg zu den Tiefen gehörte, der in den USA keinen „Ärger, sondern Enttäuschung“ über Deutschland hervorgerufen habe, so bleibe doch das „Fundament unserer Beziehungen stark“, sagte der scheidende Botschafter.

Seinen Nachfolger kennt Coats, der nach eigenem Bekunden mehr als 200 Orte in Deutschland besuchte, noch nicht. Bis der Senat darüber entscheide, werde es noch einige Zeit dauern. Bis dahin führt der US-Gesandte John A. Cloud die Geschäfte im Interims-Botschaftsgebäude. Ob seine Rückkehr in den Anwaltsberuf endgültig ist, ließ Coats offen. Ohne das von ihm seit Jahren mehr oder weniger offen angestrebte Amt des Verteidigungsministers direkt zu erwähnen, merkte der Ex-Senator nur an, vielleicht werde er „eines Tages“ in die Politik zurückkehren.

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