Politik : Der britische Verteidigungsminister Robertson soll noch in dieser Woche nominiert werden

Die Botschafter der 19 Nato-Staaten haben die Entscheidung über die Nachfolge von Generalsekretär Javier Solana, die ursprünglich als reine Formalität gegolten hatte, auf Mittwoch vertagt. In einer informellen Beratung in Brüssel am Montagnachmittag erklärten die Botschafter dreier kleiner, nicht genannter Länder, vor Abgabe eines Votums Instruktionen ihrer Regierungen einholen zu müssen, wie aus Diplomatenkreisen verlautete. Sie versicherten zwar, keine Einwände gegen Robertson zu haben. Offenbar wollten sie jedoch ihren Unmut darüber bekunden, dass die großen Länder die Besetzung wichtiger Posten unter sich ausgemacht hatten. Trotzdem wurde dem Diplomaten zufolge noch für diese Woche mit Robertsons offizieller Nominierung gerechnet. Deutschland bekräftigte seine Unterstützung für den Briten.

Robertson war am Freitag von Großbritannien als Nachfolger des Spaniers Solana nominiert worden. Der Vorschlag war zunächst innerhalb der Nato auf breite Zustimmung gestoßen, und mit der offiziellen Bestätigung Robertsons war für Dienstag oder Mittwoch gerechnet worden. Nun wollten die Nato-Botschafter am Mittwoch erneut zusammenkommen, um festzustellen, ob es Widerstände gegen den britischen Kandidaten gibt. Anschließend könnte der ständige Nato-Rat Robertson am Mittwochnachmittag oder Donnerstag offiziell nominieren.

Vor dem Treffen hatte die britische Regierung erklärt, neben Deutschland unterstützten auch Frankreich, Italien und Spanien Robertsons Kandidatur. Er selbst hatte die Nominierung als "große Ehre" bezeichnet. Der Posten des Nato-Generalsekretärs sei "einer der wichtigsten in der heutigen Welt". Wichtige Aufgabe der Zukunft sei es, das nordatlantische Militärbündnis zu erweitern und eine "europäische Verteidigungsidentität" zu entwickeln. Zunächst war Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) wochenlang als neuer Nato-Generalsekretär im Gespräch gewesen. Er hatte jedoch abgelehnt.

Zu den Namen, die auch gehandelt worden waren, gehörten der Chef der britischen Liberaldemokraten, Paddy Ashdown, der britische Ex-Verteidigungsminister Michael Portillo, der dänische Verteidigungsminister Hans Haekkerup und der polnische Außenminister Bronislaw Geremek. Sie galten als zu unerfahren oder hatten kein Interesse. Nach einem Südeuropäer soll nach den Nato-Regeln ein Nordeuropäer die Führung des Militärbündnisses übernehmen.

Der scheidende Nato-Generalsekretär Solana war im Juni zum Beauftragten der Europäischen Union für Gemeinsame Sicherheits- und Außenpolitik (Gasp) ernannt worden. Den Posten will er möglichst schnell antreten. Offiziell läuft die Amtszeit Solanas im Dezember ab. Der frühere spanische Außenminister war im Dezember 1995 als Nachfolger des über einen Korruptionsskandal gestürzten Belgiers Willy Claes zum Nato-Generalsekretär ernannt worden.

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