Politik : DER BRÜCHIGE FRIEDEN AUF DEM BALKAN: Verstärkung für Rußlands KFOR-Truppe gelandet

PRISTINA (AP). Einen Tag nach der Einigung zwischen der Nato und Rußland über die Rolle russischer Friedenstruppen im Kosovo ist am Dienstag Verstärkung für die russische KFOR-Truppe in Pristina gelandet. Nachfolgend sollten vier Flugzeuge insgesamt 200 Soldaten, 20 Fahrzeuge und 20 Tonnen Ausrüstung ins Kosovo bringen. In Serbien dauerten am Dienstag die Proteste gegen Staatschef Milosevic an.Die Nato hatte die Verstärkung des russischen Kontingents zunächst verhindert, indem sie Rumänien, Bulgarien und das Allianz-Mitglied Ungarn bat, ihren Luftraum für die russischen Flugzeuge zu sperren. Moskau hatte durchsetzen wollen, daß die russischen Truppen im ganzen Kosovo und außerhalb des Nato-Kommandos operieren können. Die erzielte Einigung sieht jetzt vor, daß die Russen im nördlichen Teil des US-Sektors, im nordwestlichen Teil des deutschen Sektors und in einem Teil des französischen Bereichs patrouillieren dürfen. Des weiteren kontrollieren sie zusammen mit den Briten den Flughafen von Pristina. Zurückgewiesen hat die Nato die Forderung Rußlands, auch im italienischen Sektor patrouillieren zu dürfen.Die UN-Hochkommissarin für Flüchtlinge, Sadako Ogata, appellierte derweil an die Geberländer, schnell Geld für die Aufgaben im Kosovo bereitzustellen. "Ich habe Geld für etwa eine Woche", sagte Ogata am Dienstag in Pristina. UN-Generalsekretär Kofi Annan rief die Regierungen Europas auf, so schnell wie möglich Polizeikräfte ins Kosovo zu entsenden. Um Recht und Ordnung sowie die Sicherheit aller Volksgruppen in der Provinz zu garantieren würden 3100 internationale Polizisten gebraucht, sagte Annan am Dienstag in Genf nach einem Treffen mit dem neuen UN-Beauftragten für das Kosovo, Bernard Kouchner. Bisher habe er aber nur Zusagen für 1900 Polizisten erhalten, sagte Annan. Das reiche nicht aus.Die humanitäre Kosovo-Aktion "Focus" der Schweiz, Rußlands, Österreichs und Griechenlands will sich künftig auf Serbien konzentrieren. Der Schweizer Diplomat Walter Fust sagte, die UN seien zur Zeit in Serbien nicht aktiv, und es deute nichts darauf hin, daß sich daran in absehbarer Zukunft etwas ändern werde. Er wies auf eine drohende Katastrophe in Serbien im Hinblick auf den kommenden Winter hin. In vielen Städten gebe es keine Heizung mehr.In der südserbischen Stadt Leskovac haben unterdessen rund 10 000 Demonstranten den Rücktritt des örtlichen Verwaltungschefs gefordert. Sie riefen "Diebe, Diebe" oder "Veränderungen, Veränderungen". Die Polizei griff nicht ein. Verwaltungschef Stefanovic ist ein Mann Milosevics. Nach Ansicht des Oppositionspolitikers Zoran Djindjic kann dieser nur durch "eine sehr breite Welle der Proteste" gestürzt werden. Nur wenn Hunderttausende demonstrierten sei Gewaltanwendung ausgeschlossen, sagte Djindjic dem Magazin "Stern".Der russische Sondergesandte für das Kosovo, Tschernomyrdin, will mit Milosevic über die Beseitigung der bei Nato-Luftangriffen entstandenen Brückentrümmer in der Donau sprechen. Dies teilte sein Sprecher am Montag mit.

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