Politik : Der Club der Diadochen - der Führungsrat soll Konflikte in Kurdenorganisation verhindern

Thomas Seibert

Als PKK-Chef Abdullah Öcalan Mitte Februar in Kenia gefasst wurde, handelten seine Untergebenen schnell: Innerhalb kürzester Zeit stellten sie einen sogenannten Führungsrat auf die Beine, der die Geschicke der Kurdenorganisation nach der Festnahme des Vorsitzenden bis auf weiteres lenken sollte. Inzwischen - nach dem Prozess und dem Todesurteil gegen Öcalan in der Türkei - ist der zehnköpfige Rat zu einer Dauereinrichtung geworden: Am Donnerstag veröffentlichte das Gremium die Ankündigung, die PKK werde dem Appell Öcalans folgen. In PKK-Kreisen heißt es sogar, es sei damit zu rechnen, dass die Organisation in Zukunft bei dem Modell der kollektiven Führung bleibe. Türkischen Angaben zufolge wird die Gemeinsamkeit vom Rat aber nur vorgeschoben, um interne Machtkämpfe zu überdecken.

Im Führungsrat sind die mächtigsten PKK-Fürsten vertreten, darunter Osman Öcalan, ein Bruder des Vorsitzenden und selbst Kommandant der PKK-Truppen im Norden Iraks. Sein schärfster Konkurrent in der Frage der Nachfolge im Vorsitz ist Cemil Bayik, Chef des bewaffneten Arms der PKK, der Volksbefreiungsarmee Kurdistan (ARGK). Sowohl Osman Öcalan als auch Bayik gelten als Hardliner. Bayik soll sogar noch nach den Friedensappellen Öcalans im Frühjahr zu weiterem Terror aufgerufen haben. Türkischen Informationen zufolge käme es Bayik und einigen anderen Ratsmitgliedern nicht ungelegen, wenn Öcalan am Galgen enden würde - denn dann wäre der Weg frei für einen Neuanfang mit neuem Chef.

Daneben sitzen aber auch Vertraute Öcalans im Führungsrat, die dafür sorgen wollen, dass die Organisation ihrem inhaftierten Vorsitzenden nicht von der Fahne geht. Zu dieser Gruppe gehört unter anderem Riza Altin, der als Öcalans eigener Favorit für den PKK-Vorsitz gehandelt wird. Alle zehn Mitglieder des Führungsrates sind auch Mitglied im 50-köpfigen Zentralkomitee.

Wenig ist über die Arbeitsweise des Führungsrats bekannt. Regelmäßige Treffen seiner Mitglieder erscheinen unwahrscheinlich, weil sich einige im Kampfgebiet befinden und nicht ohne weiteres zusammenkommen können, ohne von den Türken entdeckt zu werden. Deshalb wird angenommen, dass die meisten Stellungnahmen des Rats im Umlaufverfahren zustande kommen.

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