• Der derzeitige US-Vizepräsident Al Gore ist gegen seinen Rivalen Bill Bradley in der Defensive

Politik : Der derzeitige US-Vizepräsident Al Gore ist gegen seinen Rivalen Bill Bradley in der Defensive

Robert Von Rimscha

In den amerikanischen Vor-Wahlkampf der Demokraten kommt Bewegung. Bill Clintons Vize Al Gore, der Amerikaweit deutlich vor seinem einzigen innerparteilichen Rivalen, Ex-Senator Bill Bradley, führt, überraschte am Mittwoch Abend im US-Fernsehen mit der Feststellung: "Ich bin jetzt der Underdog." Das sei die richtige Strategie, um zu gewinnen.

Bradley führt nur im wichtigen ersten Vorwahl-Staat New Hampshire, wo die Wähler am 1. Februar an die Urnen gehen, knapp gegenüber Gore. In New York liegen beide gleichauf. Landesweit geben 41 Prozent der Amerikaner an, Bradley nicht zu kennen. Beide Kandidaten hatten umfangreiche Pläne zur Ausweitung des Krankenversicherungsschutzes vorgestellt - Gore ohne präzise Zahlen und ohne eine Aufschlüsselung der Finanzierung. Bradley hatte Gore daraufhin "eine Politik der Versprechen und der kleinen Schritte" vorgeworfen. Bei mehreren sozialpolitischen Sachthemen hat Bradley Positionen bezogen, die knapp links von denen Gores liegen, er unterstützt indes wie dieser beispielsweise die Kuba-Sanktionen und die Todesstrafe. Gores Berater haben als Reaktion auf Bradleys Erfolge bei Umfragen und beim Eintreiben von Spenden empfohlen, Gores Hauptquartier in seinen Heimatstaat Tennessee zu verlegen. Dies gab Gore am Mittwoch bekannt. Außerdem forderte Gore Bradley zu Fernsehduellen heraus - ein Schritt, den normalerweise der zurückliegende, nicht der führende Kandidat unternimmt. Seit zwei Wochen trägt Gore statt staatstragenden dunklen Anzügen meist braune, um wärmer und erdverbundener zu wirken.

In Los Angeles traf sich unterdessen die Hollywood-Elite anlässlich einer Preisverleihung an den Schauspieler und Regisseur Warren Beatty, der seit den 60er Jahren für linke Demokraten Wahlkampf geführt hat. Beatty hat sich beschwert, seiner Partei stünden mit Gore und Bradley "zwei vorsichtige, zentristische, konservative Demokraten" zur Auswahl. Seit Wochen wird gerätselt, ob Beatty selbst als linke Alternative antritt. Das ließ er auch jetzt offen, geißelte seine Partei aber als "von den Groß-Lobbys versklavt".

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