Politik : Der Diktator bittet zum Tanz

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Kairo. Der Diktator feiert Geburtstag – mit einem pompösen Fest. Doch auch wenn Saddam Hussein, der am heutigen Sonntag 65 Jahre alt wird, gerade keinen Ehrentag begeht, beauftragt er „Hofbarden“ Loblieder zu dichten, in denen seine Weisheit und Stärke besungen werden. Die Herstellung überlebensgroßer Saddam-Statuen und -gemälde ist im Irak inzwischen zu einer eigenen Industrie geworden. Den wahren Saddam trennen hohe Mauern von seinem Volk, Tausende Geheimdienst-Offiziere schirmen den irakischen Staatschef von der Öffentlichkeit ab. Ausländische Diplomaten, die sicher sind, ihn selbst, und nicht nur einen seiner Doppelgänger getroffen zu haben, berichten, er sei launisch und mache den Eindruck „als würde er über dem Boden schweben“.

Die US-Regierung, die ihn einst im Krieg gegen Iran tatkräftig unterstützt hatte, will den irakischen Präsidenten lieber heute als morgen stürzen. Dass dazu in diesem Jahr noch kein ernsthafter Versuch unternommen wurde, liegt nach Einschätzung von Beobachtern in Washington nur daran, dass sich die Minister und Berater von Präsident George W. Bush noch nicht über die beste Vorgehensweise geeinigt haben.

Saddam Hussein wurde am 28. April 1937 in einem Dorf nahe der Stadt Tikrit geboren. Der Bauernjunge wuchs ohne Vater auf und musste als Kind viel Prügel einstecken. Diese Gewalterfahrungen prägten ihn nach Einschätzung seiner Biografen stark. Mit 19 Jahren soll Saddam seinen ersten Auftragsmord begangen haben. Schon als Schüler begeisterte er sich für die arabisch-nationalistische Ideologie der Baath-Partei. Nach der Machtergreifung der Partei 1968 begann sein Aufstieg, wobei er Gegner skrupellos aus dem Weg räumte. Auch heute entfernt er Minister und Parteifunktionäre, die ihm zu populär werden. Freiwillig wird er wohl nicht zurücktreten – auch nicht zugunsten eines Sohnes .Anne-Beatrice Clasmann (dpa)

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