Politik : …der Dodo da ist

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De do do do de da da da / is all I want to say to you / de do do do de da da da / their innocence will pull me through."

Klar, „The Police“, 1980. Haben wir noch im Ohr. Worum ging’s im Text? Ach, im Grunde um der Wörter tiefere Bedeutung. Um den Dodo, wie man irrtümlicherweise annehmen könnte, ging es nicht.

Wieso auch? Als Sting zur Feder griff, war der Dodo schon 300 Jahre tot. Ausgerottet auf seiner Heimstatt Mauritius, dessen Wappentier er bis heute ist. Wenigstens das. Was man so weiß: Der Dodo war ein von Natur aus fettes, truthahnähnliches, ja, zutrauliches Tier, das aufgrund seiner hängenden Stummelflügel des Fliegens unfähig war. Flucht oder Verteidigungsverhalten betrachtete er als überflüssig, was sich letztlich als Fehler herausstellen sollte. Heute würde man sagen: ein Weichei. Einer zum Liebhaben, aber irgendwie, wie nennt das Müntefering, „nicht lebenswirklich“. Der Letzte seiner Art soll übrigens von einem spanischen Conquistador 1681 erschlagen worden sein. Das war’s dann, logischerweise.

Hätte man so einen Dodo gern daheim, jetzt mal von irgendwelchen sinistren Vogelgrippeszenarien abgesehen? Warum nicht? Als Spielgefährte für die lieben Kleinen wäre er ganz sicher die Idealbesetzung, schon wegen des oben bereits erwähnten unterentwickelten Flucht- und Verteidigungsverhaltens. Auch andere Verwendungsmöglichkeiten liegen nahe. Wiewohl der Dodo selbst nicht besonders wohlschmeckend gewesen sein soll, Eier jedenfalls hat er jede Menge gelegt.

Leider ist dieser Tage über das Naturell des toten Vogels ein etwas unappetitlicher Interpretationsstreit entstanden, der sich in etwa so zusammenfassen lässt: Wenn man mit einem „Dodo“ geehrt wird – kann man darauf stolz sein, oder soll man lieber nicht?

Die Frage wird womöglich demnächst auf juristischem Wege geklärt, was angesichts der Brisanz auch dringend angeraten scheint. Die FDP macht sich gerade um die Sache verdient, namentlich die baden-württembergische Landtagsabgeordnete Beate Fauser. Seit 2002 vergibt sie den „Dodo-Preis“ an Frauen, deren aufrechte Haltung sie würdigen will – schön. Nun hat sie Konkurrenz von der „Wirtschaftswoche“ bekommen, die den „Dodo“ für den „ökonomischen Unsinn der Woche“ zuteilt – nicht schön.

Der Dodo selbst kann ja leider nicht mehr gefragt werden, bei wessen Laudatio er sich im Zweifel wohler gefühlt hätte. Und wenn doch? Vielleicht hätte er „The Police“ zu Hilfe genommen:

„De do do do de da da da is all I want to say to you de do do do de da da da they’re meaningless and all that’s true.“ Vbn

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