Politik : Der doppelte John

Präsidentschaftskandidat Edwards scheint abgeschlagen – doch die Demokraten wollen ihn als Kerrys Vize

Matthias B. Krause[New York]

NACH DEM SUPER-TUESDAY DER DEMOKRATEN

Von Matthias B. Krause, New York

Bleiben sie ein Team? Nach den Vorwahlen am Super-Dienstag ist John Edwards weiter im Rennen. Viele Demokraten können sich den Senator aus North Carolina auch als Bewerber für das Amt des amerikanischen Vizepräsidenten vorstellen. Gemeinsam sollen John Kerry und John Edwards die Republikaner schlagen, so die vorherrschende Meinung in der Partei nach der Entscheidung in zehn weiteren Bundesstaaten.

Beim ersten Mal hat nicht viel gefehlt, und sie wären sich vor laufenden Kameras um den Hals gefallen. Kerry und Edwards saßen in der TV-Debatte von CNN, einer von zwei national ausgestrahlten Auftritten vor dem Super-Wahltag, direkt nebeneinander und demonstrierten ein Bild der Einigkeit. Der Anwalt Edwards legte seinen Arm auf die Schulter seines Sitznachbarn, wenn er zu ihm sprach. Kerry nannte seinen schärfsten Konkurrenten im Nominierungswahlkampf der US-Demokraten seinen „Freund". Zwei Tage später im Sender CBS präsentierte sich Edwards dann in einer kecken Kehrtwendung doch noch als der Herausforderer und kritisierte Kerry scharf für dessen Insider-Status in Washington und seine Haltung zu internationalen Handelsabkommen, die Millionen von Amerikanern den Job kosteten. Die Verabschiedung sei kühl ausgefallen, notierten die Beobachter hinterher – und debattierten anschließend zum wiederholten Mal die Frage, ob „John & John“ denn nun als Gespann gegen Präsident George W. Bush antreten werden.

In den Augen vieler Demokraten wären sie das ideale Team. Der erfahrene Vietnamveteran Kerry als Präsidentschaftskandidat, Populist Edwards, der Charmeur mit einer starken Basis in den Südstaaten, als sein Vize. Doch mehr als eine Zweckehe wäre es kaum. In der Vergangenheit zeigten beide wenig Ambitionen, sich zusammenzutun. Zu unterschiedlich sind ihre Themengebiete. Kerry verdiente seine Meriten als Außenpolitiker, Edwards war ein erfolgreicher Verbraucheranwalt, bevor er in die Politik ging.

Auch während des Vorwahl-Marathons kamen sie sich kaum ins Gehege. Zwar versuchte der zehn Jahre ältere Kerry einmal einen Witz auf Kosten des Konkurrenten und rief in den Saal, als er 1969 aus Vietnam wiedergekommen sei, sei Edwards „noch nicht aus den Windeln“ gewesen. Doch hernach entschuldigte er sich sogleich in einem privaten Telefongespräch.

Edwards wiederum fuhr von Anfang an eine Schmuse-Kampagne gegenüber allen demokratischen Mitstreitern und kam damit überraschend gut durch. Er überlebte den Aufstieg und jähen Fall von Howard Dean, überrundete Ex-General Wesley Clark und Veteran Joe Lieberman und punktete Referent Al Sharpton sowie den liberalen Dennis Kucinich aus.

Im Zweikampf gegen Kerry fällt ihm seine eigene Strategie allerdings auf die Füße. Zu ähnlich sind sich die beiden Kandidaten. Bei den kommenden Vorwahlen am 9. März könnte er zwar noch einmal seine Beliebtheit in den Südstaaten ausspielen, wenn in Texas, Louisiana, Mississippi und Florida gewählt wird. Bei seinen letzten Auftritten glaubten viele allerdings bereits erste Anzeichen von Resignation bei Edwards zu erkennen. Hallen, die Kerry zuvor mühelos gefüllt hatte, blieben halb leer, als Edwards kam.

Derweil schoss sich Kerry, der die überraschenden Attacken von Edwards am Wochenende mit einem Lächeln abschüttelte, längst auf einen anderen Gegner ein. „Dies wird keine Weichspül-Kampagne, in der wir durchs Land ziehen und niemand kann die Unterschiede sehen", verkündete er in Baltimore, „und es gibt einen besseren Weg, Amerikas Sicherheit zu gewährleisten als den, den Präsident Bush gewählt hat.“ Er warf Bush vor, im Irak zu wenig auf die Hilfe anderer Staaten zu setzen. Die jüngsten Anschläge auf schiitische Ziele im Irak zeigten das „Scheitern der unilateralen, ideologischen Politik“ von Präsident Bush, sagte Kerry dem Sender CNN. Bush habe es nicht geschafft, europäische und arabische Partner „ernsthaft“ an einen Tisch zu bringen.

Am Donnerstag wollen die Republikaner mit TV-Werbespots in die Offensive gehen. Sie würden „die breiteste Graswurzel-Bewegung“ schaffen, die es jemals gegeben habe, hieß es im Wahlkampfteam. Der Gegner steht für Bushs Tuppe bereits fest: John Kerry.

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