Politik : Der doppelte Landesvater Bernhard Vogel wird 70

Albert Funk

In seiner Partei gilt Bernhard Vogel als Personifizierung des Ausgleichs, als Mann, der gebraucht wird, wenn es zu vermitteln gilt. Wie es „elder statesmen“ eben zukommt. Der Thüringer Ministerpräsident hat so möglicherweise mehr Einfluss als andere CDU-Führungsmitglieder, die stärker in der Öffentlichkeit stehen.

Der Junggeselle Vogel hat ein Leben für die Politik hinter sich. Vom Politikstudium bei Dolf Sternberger über eine kurze Zeit im Bundestag (1965 bis 1967) zu seinen Kabinettsämtern in Rheinland-Pfalz und Thüringen. Neun Jahre war er Kultusminister in Mainz, von 1976 bis 1988 dort Regierungschef. Seine Karriere verdankte er Helmut Kohl. Der war es auch, der Vogel reaktivierte, nachdem dieser 1988 von seiner Partei gekippt worden war und theatralisch aus dem Amt schied („Gott schütze Rheinland-Pfalz").

1992 übernahm Vogel, zwischenzeitlich Chef der Adenauer-Stiftung, das Amt des Ministerpräsidenten in Thüringen, wo sich die CDU in Affären verstrickt hatte und eine Wahlniederlage drohte. Die konnte Vogel abwenden, derzeit regiert die CDU alleine im Erfurter Landtag. Vogel ist unter den Landespolitikern ein Unikum: Als einziger hat er das höchste Regierungsamt in gleich zwei Ländern erreicht, keiner hat so lange regiert wie er – insgesamt werden es 24 Jahre sein, wenn er zur Wahl 2004 einem Nachfolger Platz macht. Die Nachfolgefrage ging Vogel mit Bedacht und Konsequenz an, Parteichef Dieter Althaus ist sein Wunschkandidat.

Dieser Tage hat Vogel die politische Debattenkultur in der Politik deutlich gerügt. Die Sprache werde undemokratischer und unsensibler, beklagte der Ministerpräsident von Thüringen. Wenn er jetzt einen Geburtstagswunsch frei hätte, dann den, „dass wir uns zurückbesinnen auf ein faires Miteinander der Parteien und der Politiker“. An diesem Donnerstag wird Bernhard Vogel 70 Jahre alt.

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