Politik : Der doppelte Staatsbürger

Experten fordern Regierungen auf, Mehrstaatigkeit zu erlauben

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Von Claudia von Salzen

In einem Staat geboren und aufgewachsen, in einem anderen Staat zu Hause – in dieser Situation befinden sich mehr und mehr Einwanderer. Viele von ihnen wollen mit zwei Pässen dokumentieren, dass sie zwei Heimatländer haben. Deutschland hält jedoch auch nach der Gesetzesreform von 1999 daran fest, Mehrstaatigkeit zu vermeiden. „Die doppelte Staatsangehörigkeit zu verhindern, ist unklug und wird wahrscheinlich kaum Erfolg haben“, sagt der US-Jurist David Martin, der gemeinsam mit dem deutschen Ausländerrechtsexperten Kay Hailbronner ein internationales Forschungsprojekt zu diesem Thema geleitet hat. Die Expertengruppe empfiehlt Regierungen nun, angesichts der wachsenden Tendenz die doppelte Staatsangehörigkeit hinzunehmen, sofern die Betroffenen eine echte Verbindung zu beiden Ländern haben – wenn sie in einem Land aufgewachsen sind und im anderen dauerhaft leben.

In Deutschland sind die Einbürgerungszahlen sprunghaft angestiegen, seit Anfang 2000 das neue Staatsangehörigkeitsrecht in Kraft getreten ist. Allein im vergangenen Jahr erhielten 178 000 Einwanderer den deutschen Pass. Wer Deutscher werden will, muss jedoch in der Regel dafür seine alte Staatsangehörigkeit aufgeben. Und wer umgekehrt die Einbürgerung in einem anderen Land beantragt, verliert den deutschen Pass. Dennoch gibt es inzwischen Hunderttausende, die Bürger zweier Staaten sind, darunter die Kinder aus deutsch-ausländischen Ehen. In Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern müssen sich hingegen nach dem 18. Geburtstag für einen Pass entscheiden.

„Die doppelte Staatsbürgerschaft muss heute nicht mehr als Bedrohung gesehen werden – es gibt kein Loyalitätsproblem“, sagt Martin. Vielmehr fördere der Doppelpass die Integration. Die Wissenschaftler, deren Projekt vom German Marshall Fund gefördert wurde, empfehlen eine Lockerung der Einbürgerungsvorschriften. Der Erwerb einer Staatsangehörigkeit solle nicht mehr automatisch den Verlust der anderen bedeuten. Auch bei Wehrpflicht und Wahlrecht müsse es keine Probeme geben, betonen die Experten: „Der Doppelstaatler sollte nur in seinem Aufenthaltsland wählen können.“

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