• Der Ex-Kanzler will nicht, dass die CDU seinen 70. Ehrentag feiert - Selbst sein Landesverband darf keinen Empfang ausrichten

Politik : Der Ex-Kanzler will nicht, dass die CDU seinen 70. Ehrentag feiert - Selbst sein Landesverband darf keinen Empfang ausrichten

Heidi Parade

Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl will keine offizielle Feier zu seinem 70. Geburtstag. Selbst seinem rheinland-pfälzischen CDU-Landesverband und dem Ludwigshafener Kreisverband, die ihn am 5. April in seiner Heimatstadt mit einem Empfang ehren wollten, hat er jetzt einen Korb gegeben.

Der "Newsletter 55/2000" der rheinland-pfälzischen CDU vom Mittwoch hatte gerade einmal elf Zeilen. Helmut Kohl, so war ihm zu entnehmen, hat den Landesvorsitzenden Christoph Böhr und den Ludwigshafener Kreisvorsitzenden Josef Keller gebeten, von dem am 5. April geplanten Empfang zu seinem 70. Geburtstag Abstand zu nehmen, "da in der jetzigen Situation diese Veranstaltung nicht durchgeführt werden sollte". Böhr und Keller, so las es sich in der Pressemitteilung weiter, respektierten die Entscheidung und hätten "angesichts der täglich gegen Dr. Kohl verbreiteten Verdächtigungen und Verleumdungen volles Verständnis für den Wunsch, auf einen Geburtstagsempfang zu verzichten".

Dabei hatte Kohl wenigstens in der rheinland-pfälzischen CDU diesen "Runden" zwar bei Wein und Brezeln bescheiden, aber dennoch würdevoll begehen wollen. Dort findet er noch zuhauf Freunde, die ihm versichern, dass es Ignoranten seiner Lebensleistung seien, die ihn seit Wochen in übelster Form attackieren.

Die Schuldigen an Kohls Absage sind also die Medien. Auch der Vorsitzende der Ludwigshafener CDU-Stadtratsfraktion, Heinrich Jöckel, sieht das "Klima in der öffentlichen Meinung" nicht dazu angetan, den Siebzigsten in dieser Form zu begehen. Die Absage werde aber hoffentlich Anlass dafür sein, "dass im Rahmen der öffentlichen, großteils irrational geführten Diskussion zur Verhältnismäßigkeit und zum Augenmaß mit Blick auf den Menschen Helmut Kohl und dessen Würde zurückgefunden wird". Der örtliche CDU-Geschäftsführer Hubert Benning, der die Stimmung in der Ludwigshafener CDU nach der Absage Kohls als gedrückt beschrieb, sprach sogar von einer schändlichen Hexenjagd, bei der die Unschuldsvermutung außen vor bleibe. "Es ist nicht mehr würdig, was mit diesem Mann gemacht wird."

Seit Ende Januar sei nach entsprechenden Hinweisen aus Berlin klar gewesen, "dass wohl die Ludwigshafener Veranstaltung die einzige offzielle Geburtstagsfeier gewesen wäre", verlautete aus der örtlichen CDU. Bei einem Gespräch in Oggersheim mit der Ludwigshafener CDU-Spitze habe Kohl am 23. Januar angeregt, den in seiner Heimatstadt zunächst geplanten kleinen Geburtstagsempfang für die lokale Prominenz im Foyer des Ludwigshafener Pfalzbaus umfangreicher auszurichten und den ganzen Pfalzbau anzumieten. Ein "stilvoller Empfang" hätte es werden sollen mit über 1000 Gästen, darunter eine Menge Ludwigshafener Bürger und alte Weggefährten Kohls. Doch nun will der Ex-Kanzler dem entfliehen, wie er Böhr am Dienstag telefonisch wissen ließ.

Ein Zusammenhang mit der staatsanwaltschaftlichen Durchsuchungsaktion im CDU-Landesverband am gleichen Nachmittag wird in Mainz entschieden verneint. Anlass für die Durchsuchung sei eine anonyme Anzeige gewesen. Hinter der könnte nach Vermutungen der Landesparteizentrale ein "Maulwurf" in den eigenen Reihen stecken, der den Strafverfolgern einen angeblichen Aktentransfer aus dem Jahr 1998 von Kohls Bonner Büro in die CDU-Landeszentrale in Mainz gemeldet habe. Dabei habe es sich aber lediglich um mehrere Kisten alter, wegen eines Wasserschadens muffig riechender "Rheinland-Pfalz-Bücher" gehandelt.

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