Politik : Der Fall des Limburgers

Wie Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Bischofskonferenz, auf die Affäre um Tebartz-van Elst reagiert.

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Kritische Worte. Erzbischof Robert Zollitsch ließ seine Meinung über seinen Amtsbruder Tebartz-van Elst am Donnerstag in Berlin durchblicken. Foto: Wolfgang Kumm/dpa
Kritische Worte. Erzbischof Robert Zollitsch ließ seine Meinung über seinen Amtsbruder Tebartz-van Elst am Donnerstag in Berlin...Foto: dpa

Berlin - Richtig frei reden kann er nicht. Er muss die Etikette wahren, den normalen Gang der Dinge in der katholischen Kirche. Doch an diesem Fall ist nichts normal. Ein Strafbefehl gegen einen Bischof? „Das hat es noch nicht gegeben“, muss Robert Zollitsch zugeben. Und sollte der Strafbefehl gegen den umstrittenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wirklich erlassen werden? Was dann? Wie würde er in einer solchen Situation reagieren? „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich da weiterleben könnte.“

Robert Zollitsch ist Erzbischof aus Freiburg, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und an diesem Donnerstag zu Gast in der Bundespressekonferenz. Der Termin steht seit Wochen fest. Über den neuen Papst will er sprechen und auch über die neue Bundesregierung, die erst noch gefunden werden muss. Das tut er auch alles, aber im Prinzip stiehlt einer seiner Brüder ihm die Show: Tebartz-van Elst. Er ist nicht anwesend, aber ständig präsent an diesem Mittag. Dem Skandal-Bischof aus Limburg werfen die eigenen Leute einen autoritären Führungsstil und Verschwendung vor. Am Tag des Auftritts von Zollitsch vor der Bundespressekonferenz wird zudem bekannt, dass ein Strafbefehl gegen Tebartz-van Elst wegen falscher eidesstattlicher Erklärungen beantragt wurde. Hintergrund sind Berichte des „Spiegel“ über einen Erste-Klasse-Flug nach Indien, gegen die Tebartz-van Elst juristisch vorgegangen ist – auch mit eidesstattlichen Erklärungen, die nach Ansicht der Hamburger Staatsanwaltschaft aber falsch sind.

In der kommenden Woche will Zollitsch mit Papst Franziskus über den Vorgang sprechen. Nur der Papst kann letztlich über eine Amtsenthebung entscheiden. Dem Gespräch will er nicht vorgreifen, schließlich soll der Papst nicht aus der Presse erfahren, was Deutschlands wichtigster Katholik von dem Vorgang hält und was er empfiehlt. Aber wenn man Zollitschs Worte frei übersetzt, heißt das nichts anderes, als dass er dem Papst wohl nahelegen wird, den Bischof des Amtes zu entheben oder ihm eine Art Auszeit zu verschreiben. So offen sagt das Zollitsch nicht. Bei ihm hört sich das so an: „Den Vorgang verfolgen wir aufmerksam und mit großer Sorge.“ Oder so: „Das bewegt mich sehr.“ Oder auch so: „Insgesamt nehme ich die Situation im Bistum Limburg sehr ernst.“

Zollitsch lässt durchblicken, dass es ihm wohl am liebsten wäre, wenn Tebartz-van Elst selbst zu der Erkenntnis käme, dass ein Rücktritt angebracht wäre. „Ich bin sicher, dass sich der Bischof gründlich mit der notwendigen Selbstkritik in dieser Entwicklung auseinandersetzt“, sagte Zollitsch. Der Freiburger Erzbischof wählt den indirekten Weg, um Tebartz-van Elst zu verdeutlichen, welchen Anspruch an das Amt der Limburger nicht mehr erfüllt. Zollitsch beschreibt, dass ein Bischof Kontakt mit den Menschen brauche, dass er Brücken bauen müsse, und „dafür braucht man das Vertrauen der Menschen“.

Auch bei den auf 31 Millionen Euro (von geplanten fünf Millionen) gestiegenen Kosten für den Neubau der bischöflichen Residenz in Limburg gibt Zollitsch nur versteckte Hinweise, was er davon hält. Der Freiburger Erzbischof kündigte an, dass eine Kommission die Finanzsituation in Limburg prüfen werde. Er könne selbst noch nicht viel dazu sagen, weil er die Details nicht kenne, aber immerhin das kann er sagen: „Ich war auch überrascht von den 31 Millionen Euro.“

Seine klare Botschaft an Tebartz- van Elst hat Zollitsch in Watte gepackt, er hat sie etwas vernebelt, auf dass der Papst sie kommende Woche enthüllen möge. Um so deutlicher war er dagegen auf anderen Feldern. So bekräftigte er sein Nein zur gleichgeschlechtlichen Ehe. „Mit Sorge beobachten wir politische Bestrebungen, den Ehebegriff auf gleichgeschlechtliche Partnerschaften auszuweiten und damit zu verwässern“, sagte er. Die Gesellschaft brauche den „Schutz der Ehe von Mann und Frau“ und der Familie. Denn nur dort werde das Leben weitergetragen. Zollitsch kündigte zwar an, die Rolle der Frau in der katholischen Kirche stärken zu wollen, auch in Führungspositionen. Aber: „Das Priesteramt für Frauen lehnen wir weiter ab.“

Zollitsch, dessen Amtszeit als Vorsitzender der Bischofskonferenz 2014 endet, ging auch auf die Freiburger Handreichung für wiederverheiratete Geschiedene ein. Demnach sollen wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zugelassen werden. Die Handreichung sei ihm bekannt gewesen, nur sei sie ohne sein Wissen „zu früh“ veröffentlicht worden. Sie weise aber in die richtige Richtung.

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