Politik : Der Fall Joseph: Verdächtige von Sebnitz kommen frei

Der Fall des vor drei Jahren in einem Sebnitzer Freibad ums Leben gekommenen sechsjährigen Joseph hat eine überraschende Wende genommen. Die Haftbefehle wegen Mordverdachts gegen zwei Männer und eine Frau im Alter von 20 bis 25 Jahren wurden aufgehoben, wie Oberstaatsanwalt Hans Strobl am Montag in Dresden mitteilte. Sie seien auf freiem Fuße, gegen sie werde aber weiter ermittelt. Zur Begründung sagte Strobl, ein Hauptbelastungszeuge, dessen Aussage am 21. November zu den Verhaftungen geführt habe, habe sich bei seiner zweiten Vernehmung in Widersprüche verwickelt und erscheine nicht mehr glaubwürdig. Zwei der Beschuldigten habe er auf Fotos nicht mehr wiedererkannt. Ein dritter Tatverdächtiger habe ein Alibi gehabt, das nicht zu erschüttern gewesen sei. Strobl zufolge sagte der Hauptbelastungszeuge auch aus, dass ihm die Namen der Verdächtigen von der Familie des ums Leben gekommenen Joseph in den Mund gelegt worden seien. Die Eltern von Joseph, Renate Kantelberg-Abdulla und Saad Abdulla, hielten unterdessen im Gespräch mit dem Tagesspiegel den Vorwurf aufrecht, ihr Sohn sei von Rechtsextremisten ertränkt worden.

Oberstaatsanwalt Claus Bogner sagte, zum jetzigen Zeitpunkt seien keine Verbindungen der Tatverdächtigen zur rechtsextremistischen Szene erkennbar. Eine Straftat im Zusammenhang mit dem Tode von Joseph schloss er weiterhin nicht aus. Es werde in alle Richtungen ermittelt. Das Polizeipräsidium in Dresden hat unterdessen eine Sonderermittlungsgruppe "Badeunfall" gebildet. Sie soll nach Aussagen des Polizeipräsidenten Eberhard Pilz die Ergeignisse des 13. Juni 1997 noch einmal untersuchen. Geprüft werde in diesem Zusammenhang auch, ob die polizeilichen Ermittlungen damals nachlässig geführt worden seien.

In Berlin traf Bundeskanzler Gerhard Schröder mit der Mutter Josephs zusammen. Nach dem Treffen teilte Schröder mit, es sei für ihn selbstverständlich gewesen, mit der Mutter des Jungen zu reden.

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